Aktualisierte Ausbildungsberufe im Einzelhandel

Zum Ausbildungsstart August 2017 treten die aktualisierten Berufsbilder Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Verkäufer/-in Kraft. Nach inhaltlicher Modernisierung bleiben die erprobten Strukturen im Kern erhalten. Was erwartet die Betriebe und welche Änderungen zeichnen sich in den Berufen ab?

Knapp 60.000 Ausbildungsverträge werden jährlich in den Berufen Verkäufer und Kaufmann im Einzelhandel abgeschlossen. Gemeinsam liegen die beiden Ausbildungsberufe damit bundesweit an der Spitze der Vertragsabschlüsse. Im Jahr 2015 wurde eine Evaluierung dieser wichtigen Ausbildungsberufe abgeschlossen. Die Untersuchung beleuchtete die Ausbildungsstruktur und -inhalte der beiden Berufe und bildete den Startschuss für die sich anschließende Aktualisierung der Ausbildungsverordnungen. Die Überarbeitung der beiden Einzelhandelsberufe wurde 2016 abgeschlossen, die Änderungen treten ab August 2017 in Kraft.

Bewährtes bleibt erhalten
Eine Untersuchung der Einzelhandelsberufe war aus Sicht des Gesetzgebers erforderlich geworden, weil hier die „gestreckte Abschlussprüfung“ erstmals seit 2009 auch in einem kaufmännischen Beruf erprobt wurde. Zugleich wurde die Passgenauigkeit der Ausbildungsinhalte sowie der Zuschnitt der Pflicht- und Wahlqualifikationsbausteine untersucht. Im Ergebnis soll das erfolgreiche Konzept der Einzelhandelsberufe weiter beschritten werden. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Die eingeführten Berufsbezeichnungen haben einen hohen Bekanntheitsgrad und werden nicht verändert, die jeweilige Ausbildungsdauer (zwei- und dreijähriger Ausbildungsberuf) bleibt.
  • Die erprobte Prüfungsstruktur im Einzelhandel hat sich bewährt und wird daher in Dauerrecht überführt. Auch zukünftig stellen die Kaufleute im Einzelhandel in der gestreckten Abschlussprüfung an zwei Prüfzeitpunkten unter Beweis, was sie können. Positiv aus Prüflingssicht ist, dass nicht alles geballt erst am Ende des dritten Ausbildungsjahres abgeprüft wird. Aus Sicht der Unternehmen bleibt die vormalige Zwischenprüfung beim dreijährigen Kaufmann weiter entbehrlich.
  • Ebenso werden die Arbeits- und Geschäftsprozesse sowie die inhaltliche Grundstruktur der Berufe im Kern beibehalten. Die Tätigkeitsfelder umfassen auch in der modernisierten Schwerpunktsetzung die Sortimentsentwicklung, die Warenannahme, die innerbetriebliche Warenlogistik, die Warenpräsentation, die Kundenberatung und den Verkauf sowie das Kassieren inklusive der Kassenabrechnung.
  • Für die Verkäufer bleibt es bei dem klassischen Modell aus Zwischen- und Abschlussprüfung. Damit eine Anrechnung von Prüfungsleistungen weiterhin möglich ist, wenn Verkäufer im dritten Jahr zum Kaufmann fortsetzen, werden auch im Zuge der Aktualisierung die ersten beiden Ausbildungsjahre inhaltlich identisch gestaltet.


Um der Breite des Berufsbildes und den unterschiedlichen Anforderungen der Betriebe gerecht zu werden, sind im 2. und 3. Ausbildungsjahr weiterhin Differenzierungen in Form von Wahlqualifikationen vorgesehen.

Inhaltliche Modernisierung
Obwohl das Rad also augenscheinlich nicht neu erfunden wird, ist dennoch aus Sicht der Einzelhandelsbranche eine moderate inhaltliche Modernisierung der Berufe notwendig. Kunden sind besser vorinformiert denn je, zunehmend nutzen sie auch im Geschäft mobile Endgeräte, um sich über Preise und Produktalternativen zu informieren. Die Anforderungen an die Beratungs- und Kommunikationskompetenz der Mitarbeiter des Handels steigen ebenso wie die Anforderungen an die Warenkenntnisse und Selbstlernkompetenz der Auszubildenden und Beschäftigten. Auch weitere und wachsende Vertriebskanäle sind bei der Aktualisierung zu berücksichtigen. Diesen Aspekten wird dadurch Rechnung getragen, dass z. B. der Kunden- und Serviceorientierung sowie der reflexiven Kompetenz zukünftig mehr Gewicht eingeräumt wird. Sowohl in den Pflicht- als auch in den Wahlqualifikationen wird das Thema Digitalisierung aufgegriffen; z. B. durch eine neue, dreimonatige Wahlqualifikation „E-Commerce“.

Kompetenz- und Handlungsorientierung gestärkt
Nicht nur die Formulierung der Ausbildungsinhalte, auch die Anforderungen in der Prüfung folgen weiterhin dem Leitgedanken der „Handlungskompetenz“. Die schriftlichen Prüfungen werden von Praktikern zentral auf der Basis eines Prüfungskataloges erstellt, der die Inhalte des Ausbildungsrahmenplanes für die Betriebe und des Rahmenlehrplanes für die Berufsschulen zusammenführt. Die mündliche Prüfung findet als fallbezogenes Fachgespräch in einer der gewählten Wahlqualifikationen statt. Hier stellt der Prüfling zum Abschluss seine berufliche Handlungskompetenz in einem erörternden Gespräch mit Fachexperten „auf Augenhöhe“ unter Beweis.

Und nach der Ausbildung?
Nach abgeschlossener Erstausbildung können die jungen Fachkräfte weitere Berufspraxis erwerben, um anschließend eine der verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten für ihren Karriereweg zu nutzen, beispielsweise als Fachkaufmann/-frau für Marketing bzw. für Einkauf und Logistik, als Handelsfachwirt/-in oder als Betriebswirt/-in. Die Abschlüsse gelten in der Praxis als wichtige Eintrittskarte für mittlere und höhere Führungspositionen im Einzelhandel. Auch eine direkte Verzahnung von Aus- und Weiterbildungsangeboten ist möglich; ebenso die Kombination mit Zusatzqualifikationen (z. B. im Bereich Fremdsprachen oder IT) oder dem Erwerb der Ausbildereignung.