Regelung der Berufsschulzeit

Regelung der Berufsschulzeiten

Gemäß § 15 Berufsbildungsgesetz (BBiG) hat der Ausbildungsbetrieb seine Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freizustellen. Diese Freistellungspflicht gilt auch für Prüfungen und Schulveranstaltungen, die nicht eigentlich Unterricht sind, so z. B. Schulausflüge oder Betriebsbesichtigungen mit der Schule. Für die Zeit der Freistellung ist die Ausbildungsvergütung fortzuzahlen (§ 19 Abs. 1 Nr.1 BBiG).

Schulpflichtig sind im Übrigen jugendliche und erwachsene Auszubildende, die ihre Ausbildung vor Vollendung des 21. Lebensjahres beginnen, für die gesamte Ausbildungszeit. Auszubildende, die bei Beginn der Ausbildung 21 Jahre oder älter sind, sind berufsschulberechtigt. Nimmt der Auszubildende am Berufsschulunterricht teil, gilt auch in vollem Umfang die genannte Freistellungspflicht. Grundsätzlich empfiehlt die IHK auch bei nicht mehr berufsschulpflichtigen Auszubildenden, nicht auf den regelmäßigen Besuch der Berufsschule zu verzichten.

Wie sind die Zeiträume der Freistellungspflicht im Einzelnen zu berechnen?

Bis zur Änderung des § 4 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) im Jahre 1997 machte es für die Beantwortung dieser Frage keinen Unterschied, ob es sich um jugendliche oder erwachsene Auszubildende handelte. Seither kann die Berechnung differenziert erfolgen, wobei es dem Ausbildungsbetrieb in der Praxis freigestellt ist, auch Erwachsene weiterhin im Hinblick auf die Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die betriebliche Ausbildungszeit wie Jugendliche zu behandeln.

Beschäftigungsverbote und Anrechnungsbestimmungen für Jugendliche

Vor einem vor 9.00 Uhr beginnenden Unterricht ist die Beschäftigung verboten (§ 9, Abs. 1, Nr.1 JArbbSchG). Diese Bestimmung gilt im Übrigen auch für berufsschulpflichtige Erwachsene(!).

An einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden (sechs und mehr Unterrichtsstunden) darf keine Beschäftigung nach der Berufsschule erfolgen. Dieser Unterrichtstag ist mit acht Zeitstunden auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 40 Stunden wöchentlich (§ 8, Abs. 1 JArbSchG) und nicht auf die kürzere tarifliche Arbeits- bzw. Ausbildungszeit anzurechnen, wenn es an einer eigenen tariflichen Anrechnungsregelung fehlt. Gibt es zwei Unterrichtstage in der Woche mit mehr als fünf Unterrichtsstunden, so kann der Ausbildungsbetrieb bestimmen, an welchem der beiden Tage der Auszubildende in den Betrieb zurückkommen muss. An diesem Tag sind dann die Unterrichtszeiten einschließlich der Pausen auf die tägliche Höchstarbeitszeit anzurechnen. Neuer Rechtsprechung zu Folge (siehe unten: Anrechnungsbestimmungen für Erwachsene) empfehlen wir allerdings eine Ausweitung der Anrechnungszeit um den Zeitraum der Wegezeit zwischen Berufsschule und Betrieb, um in dieser Hinsicht Jugendliche nicht schlechter zu stellen als Erwachsene.

Ein Beschäftigungsverbot besteht auch in Wochen mit einem planmäßigen Blockunterricht von mindestens 25 Unterrichtsstunden. Diese Unterrichtswochen entsprechen einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden (§ 9, Abs. 1, Nr. 3 und Abs. 2, Nr. 2 JArbSchG). Zulässig sind nur zusätzliche betriebliche Ausbildungsmaßnahmen bis zu zwei Stunden wöchentlich (§ 9, Abs. 1, Nr. 3 JArbSchG).

Gesetzliche Höchstarbeitszeit für Jugendliche

Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden (§ 8 Abs. 1 JArbSchG).

Anrechnungsbestimmungen für Erwachsene

Seit der o.g. Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes fehlt es an expliziten gesetzlichen Anrechnungsbestimmungen. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich deshalb neben den unstrittig für alle Arbeitnehmer, also auch Auszubildende, geltenden Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes (insbesondere § 3 ArbZG) auf die höchstrichterliche Rechtssprechung, konkret den Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes (BAG vom 26. März 2001, 5 AZR 413/99). Demzufolge können in Bezug auf die Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die tägliche bzw. wöchentliche Ausbildungszeit folgende Kernaussagen getroffen werden: Eine Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die betriebsübliche/tarifliche Ausbildungszeit erfolgt immer dann, wenn Berufsschulzeit und betriebsübliche (tarifliche) Ausbildungszeit deckungsgleich sind. Das heißt konkret: Könnte während der Unterrichtszeit in der Berufsschule betriebliche Ausbildung stattfinden, geht die Berufsschule vor, eine Anrechung muss erfolgen. Ausdrücklich unzulässig ist es, die Berufsschulzeiten im Betrieb nachzuholen bzw. die betriebliche Ausbildungszeit an Berufschultagen abweichend von der ansonsten betrieblich üblichen Ausbildungszeit zu regeln.

Findet der Berufsschulunterricht jedoch außerhalb der betriebsüblichen Arbeitszeit statt, muss keine Anrechnung erfolgen. Auf Grund dieser Unterscheidung ist es bei Erwachsenen Auszubildenden möglich und zulässig, dass die tägliche und wöchentliche Gesamtausbildungszeit im Einzelfall höher liegt als die betriebliche Arbeitszeit. Die untengenannten Höchstgrenzen der täglichen bzw. wöchentlichen Beschäftigungszeiten gemäß ArbZG sind jedoch absolut bindend. Der Zeitraum der Anrechnungspflicht umfasst grundsätzlich nicht nur die Unterrichtszeit, sondern auch die Pausenzeiten und die Zeit, die der Auszubildende benötigt, um von der Berufsschule in den Betrieb zurückzukehren. Nicht gerechnet wird dagegen die Wegezeit, die der Auszubildende von seiner Wohnung bis zur Berufsschule benötigt.

Unzumutbarkeit

Als unzumutbar ist die Rückkehr in den Betrieb nach der Berufsschule dann zu betrachten, wenn die im Rahmen der betriebsüblichen bzw. gesetzlich höchstens zugelassenen Restausbildungszeit in keinem Verhältnis zu der dafür aufzuwendenden Wegezeit steht und für eine sinnvolle Ausbildung zu kurz wäre. Als Untergrenze der betrieblichen Restausbildungszeit ist ein Zeitraum von ca. zwei Stunden durchaus noch vertretbar. Das Verhältnis von Fahrzeit zu Restausbildungszeit sollte nicht wesentlich anders als 1:2 sein.

Blockunterricht

Hier gibt es keine besonderen Anrechnungsmodalitäten, grundsätzlich ist also eine Beschäftigung erwachsener Auszubildender auch in Wochen mit Blockunterricht möglich, insbesondere, wenn die u. g. Möglichkeiten der ArbZG ausgeschöpft werden. Eine exakte Berechnung ist aber für jeden einzelnen Tag/jede einzelne Woche notwendig. In der Praxis wird dies dann häufig dazu führen, dass unter der notwendigen Beachtung aller genannten Vorschriften die noch möglichen Einsatzzeiten im Betrieb stark eingeschränkt sind.

Gesetzlich zugelassene Höchstbeschäftigungszeiten

Gemäß § 3 ArbZG beträgt die zulässige Höchstarbeitszeit für Erwachsene acht Stunden täglich. Eine Ausdehnung auf zehn Stunden ist zulässig, allerdings darf die werktägliche Arbeitszeit innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten acht Stunden nicht überschreiten. Ein zeitnaher Ausgleich muss also gewährleistet werden. Die höchstzulässige Wochenarbeitszeit beträgt bei sechs Arbeitstagen 48 Stunden.

Fazit

So sehr zu begrüßen ist, dass durch den Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes konkrete Umsetzungsgrundsätze für die entscheidende Frage, wie im Rahmen dualer Erstausbildung die Berufsschulzeiten auf die betriebliche Ausbildungszeit anzurechnen sind, vorliegen: Es fehlt nach wie vor seit der Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes im Jahre 1997 an speziellen gesetzlichen Anrechnungsvorschriften. Auch Tarifverträge enthalten bisher zumeist keine diesbezüglichen Bestimmungen, so dass auch dort, wo Tarifbindung besteht, nur auf die allgemeinen Grundsätze, wie sie oben beschrieben sind, zugegriffen werden muss. Die Anwendung dieser Grundsätze entspricht jedoch dem erklärten Willen des Gesetzgebers und es ist zu erwarten, dass auch Arbeitsgerichte danach entscheiden werden. Für den einzelnen Ausbildungsbetrieb/Ausbilder stellt die Frage der Festlegung der wöchentlichen betrieblichen Ausbildungszeit während der Berufsschulzeit insofern keine leichte Aufgabe dar, unlösbar ist sie jedoch nicht. Als verantwortungsbewusster Ausbilder muss er sich in jedem Einzelfall zunächst an den Folgenden noch einmal wiederholten Fragen orientieren:

  • Ist der Auszubildende volljährig?
  • Wie gestalten sich die betriebsüblichen Ausbildungszeiten?
  • Wie viel Zeit verbringt der Auszubildende in der Berufschule einschließlich Pausen?
  • Inwieweit stimmen diese Zeiten überein?
  • Wie lange Zeit nimmt die Wegezeit von Berufsschule zurück in den Betrieb in Anspruch (im Zweifelsfall unter Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel)?

 

Ruhepausen und Ruhezeiten

Die Mindestdauer der Ruhezeiten ist nach der Dauer der Arbeitszeit gestaffelt und gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Sie beträgt bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden mindestens 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden 45 Minuten. Die Ruhepausen können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden. Die Ruhepausen müssen im Voraus feststehen, d. h. zu Beginn der täglichen Arbeitszeit muss zumindest ein bestimmter zeitlicher Rahmen feststehen, innerhalb dessen der Arbeitnehmer seine Ruhepausen in Anspruch nehmen kann. Während der Pause muss der Arbeitnehmer von jeglicher Dienstverpflichtung frei gestellt sein, auch von jeder Verpflichtung, sich zum Dienst bereitzuhalten. Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit müssen die Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben (§5 ArbZG).
⇒ Das heißt, wenn der Berufsschulunterricht um 8 Uhr morgens startet, muss der Arbeitnehmer spätestens um 21 Uhr am Vortag die Arbeit niederlegen.

Ansprechpartner bei Ihrer IHK

Im Zweifelsfall sollten Sie sich an das Ausbildungsberatungsteam der IHK Mittleres Ruhrgebiet wenden: