Wie werde ich Ausbildungsbetrieb? Wenn Sie Lehrlinge ausbilden wollen: Auf diese Voraussetzungen kommt es an!

Die Berufsausbildung im Dualen System steht auf zwei Beinen: Diese sind erstens die praxisorientierte Ausbildung im Betrieb und zweitens die theoriebetonte Qualifizierung in der Berufsschule. Die praktische Ausbildung junger Schulabgängerinnen und Schulabgänger findet im Unternehmen statt. Hier werden jene beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen vermittelt, die für den Beruf erforderlich und die in der Ausbildungsordnung festgelegt sind. Ergänzend zur Praxis wird in der Berufsschule berufstheoretisches Wissen und Allgemeinbildung vermittelt. Im Durchschnitt sind die Auszubildenden an drei bis vier Tagen pro Woche im Betrieb.

Durch die geregelte Ausbildung im Dualen System sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Wirtschaft immer auf qualifizierte Mitarbeiter zurückgreifen kann. Viele Betriebe machen jedoch keine Fachkräfteplanung, die über die nächsten zwei bis drei Jahre hinausgeht. Dieses kurzfristige Denken führt zum Fachkräftemangel und zu Wettbewerbsnachteilen für das Unternehmen. Denn von guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird in der Regel ein umfangreiches Können und Wissen verlangt. Was liegt also näher, als selbst Fachkräfte auszubilden, die genau wissen, worauf es ankommt?

Warum ausbilden? – Die 10 wichtigsten Gründe, weshalb Ausbildungsbetriebe einen Nutzen von der Ausbildung haben:

  1. Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs
  2. Motivierte, im eigenen Betrieb erprobte Mitarbeiter
  3. Weniger Fluktuation und Fehlbesetzungen
  4. Keine langwierigen Einarbeitungszeiten neuer Kräfte
  5. Erhöhung der Flexibilität und Innovationsfähigkeit
  6. Verjüngung der Belegschaft
  7. Positive Impulse für die Gestaltung von Weiterbildung
  8. Imagegewinn als Ausbildungsbetrieb
  9. Produktive Arbeit des Auszubildenden
  10. Beitrag, die Chancen für Jugendliche zu erhöhen und sie nicht ins gesellschaftliche Abseits abdriften zu lassen

Welcher Betrieb kann ausbilden?

Die betriebliche Ausbildung richtet sich nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Darin ist geregelt, wer ausbilden darf und welche betrieblichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen.

Der Betrieb muss für die Berufsausbildung nach Art und Einrichtung geeignet sein. In der Regel liegt diese Eignung vor, wenn die in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt und erste Berufserfahrungen erworben werden können.

Darüber hinaus muss ein Ausbildungsbetrieb über die notwendige Ausstattung verfügen. Erfolgt die Ausbildung z.B. im Büro, muss es zweckgerichtet eingerichtet sein. Im Einzelhandel gilt das Gleiche für den Verkaufsraum. Auch die Ausstattung mit technischen Geräten und Hilfsmitteln muss dem heutigen Stand entsprechen. Für den Auszubildenden muss ein Arbeitsplatz vorhanden sein. Eine Ausbildung in industriell – technischen Berufen setzt Produktions– bzw. Arbeitsverfahren sowie die Dienstleistungen voraus, die eine Vermittlung der in der Ausbildungsordnung vorgesehenen Fertigkeiten und Kenntnisse ermöglichen. Beispielsweise muss die Ausstattung mit Werkzeugen, Maschinen, Apparaten, Geräten, Pflege- und Wartungseinrichtungen auf einem aktuellen technischen Stand sein - was aber nicht bedeutet, dass die jeweils modernste Technik verlangt wird.

Wer kann im Betrieb ausbilden?

Das BBiG unterscheidet zwischen dem Ausbildenden und dem Ausbilder. Der Ausbildende ist Vertragspartner des Auszubildenden und kann auch eine juristische Person sein, z.B. eine GmbH oder eine Genossenschaft. Ausbilder ist der, der dem Auszubildenden im Betrieb Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt.

Ausbilden kann, wer dafür persönlich und fachlich geeignet ist und bspw. über einen Berufsabschluss verfügt. Die persönliche Eignung fehlt insbesondere, wenn jemand Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf oder wiederholt oder schwer gegen das BBiG oder die auf seiner Grundlage erlassenen Bestimmungen verstoßen hat.

Die fachliche Eignung der Ausbilderinnen und Ausbilder besteht aus

  • den erforderlichen beruflichen Fertigkeiten und Kenntnissen,
  • den erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnissen.

Die erforderlichen beruflichen Qualifikationen werden i.d.R. durch die entsprechenden Abschlüsse im Dualen System oder durch Abschlüsse von Fach- oder Hochschulen nachgewiesen. Dabei ist nicht erforderlich, dass die Abschlussprüfung in dem gleichen Ausbildungsberuf abgelegt wurde, so dass Abschlüsse in verwandten Berufen berücksichtigt werden können. Wichtiges zusätzliches Berurteilungsmerkmal ist in einem solchem Fall die Berufserfahrung.

Die berufs- und arbeitspädagogische Eignung werden durch eine Ausbildereignungsprüfung (nach der Ausbildereignungsverordnung / AEVO) nachgewiesen, die z.B. bei der IHK absolviert werden kann. Diese kann aber auch Ausnahmefälle von der Nachweispflicht befreien, wenn auch dann eine ordnungsgemäße Ausbildung sichergestellt ist.

Grundsätzlich gilt, dass der Erwerb einer berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikation als Fähigkeit zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren in den folgenden 4 Handlungsfeldern nachzuweisen ist:

  • Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  • Ausbildung vorbereiten und bei Einstellung von Auszubildenden mitwirken
  • Ausbildung durchführen
  • Ausbildung abschließen

Also: Die Hürden sind gar nicht so hoch!

Manche Hemmnisse sind bereits abgebaut worden, andere sind bei näherem Hinsehen kleiner, als man Sie sich vorstellt. So z.B. wenn manche Betriebe ausbilden wollen, aber aufgrund ihrer Spezialisierung oder Größe nicht alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermitteln können. Hier kann evtl. eine Verbundausbildung (Ausbildung im Tandem) eine Lösung sein. Die Ausbildungsberater der IHK Mittleres Ruhrgebiet geben Ihnen darüber hinaus noch weitere Tipps zur Berufsausbildung und helfen Ihnen beim Einstieg in die Berufsausbildung. Zur Registrierung als Ausbilder benötigen wir Angaben zur Person und Ausbildung. Sollten Sie erstmals ausbilden, möchten wir Ihren Betrieb zunächst besuchen, um diesen kennenzulernen.

Wer kann Auskunft geben?

Bei Interesse an der Berufsausbildung können sich Betriebe und Einrichtungen an das Ausbildungsberatungsteam unserer IHK wenden. Weitere Infos zur Ausbildung finden Sie auch im Internet unter www.bochum.ihk.de unter Berufliche Bildung.

Ansprechpartner :

  • Martina Elbin, kaufmännische Berufe in Herne, Witten, Hattingen, Telefon: (0234) 9113-164, E-Mail: elbin@bochum.ihk.de
  • Sabine Nietzke-Schaffeld, kaufmännische Berufe in Bochum, Telefon: (0234) 9113-127, E-Mail: schaffeld@bochum.ihk.de
  • Alexandra Brnicanin, gewerblich-technische Berufe in Bochum, Herne, Witten und Hattingen, Telefon: (0234) 9113-182, E-Mail: brnicanin@bochum.ihk.de