Fehlende Fachkräfte werden für nordrhein-westfälische Unternehmen zum Risiko

Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen haben die Ergebnisse der IHK-Umfragen zur Konjunktur und Ausbildung bei mehr als 4.000 Unternehmen zum "Fachkräftereport 2014" zusammengestellt. Das Ergebnis zeigt die wachsenden Gefahren durch fehlende Fachkräfte. So sehen mittlerweile 31 Prozent der befragten Unternehmen im Fachkräftemangel das „größte Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung“. Noch vor zwei Jahren waren es erst 26 Prozent. „Die Unternehmen reagieren bereits und verstärken ihre Anstrengungen, um den Fachkräftebedarf zu sichern“, sagt Sophia Tiemann, Geschäftsführerin bei IHK NRW. „Doch diese Bemühungen brauchen die Unterstützung der Landesregierung, etwa bei der Förderung der Berufsorientierung oder der Mobilität der Jugendlichen.“

Der „NRW-Fachkräftereport 2014“ stellt auf Basis der Konjunkturumfragen der IHKs in NRW die Daten zum Fachkräftebedarf und der -versorgung aus den Rückmeldungen der Unternehmen in aggregierter Form zur Verfügung. Dabei zeigt sich eine wachsende Besorgnis der Befragten: 31 Prozent sehen heute den Fachkräftemangel als „größtes Risiko“ für die Zukunft ihres Betriebs, im Jahr 2013 waren es 28 Prozent, im Jahr davor 26 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass das Problem an Bedeutung gewinnt.

Regionen und Branchen sind derzeit noch unterschiedlich betroffen. Während etwa in den Ballungsräumen aktuell kaum Engpässe spürbar sind, sind gerade mittelständische Unternehmen mit Sitz außerhalb der Metropolregionen stark betroffen. Auf Branchen bezogen sehen besonders personalintensive Dienstleistungsunternehmen wachsende Risiken.So erwarten 47 Prozent der Befragten aus der Gesundheitswirtschaft eine weitere Verschärfung ihrer Probleme bei der Stellenbesetzung, in der Bauwirtschaft sind es 45 Prozent, im Hotel- und Gaststättengewerbe 42 Prozent. Auch in vermeintlich attraktiven Branchen steigt das Risiko des Fachkräftemangels, in der chemischen Industrie etwa zeigen sich mit 17 Prozent der Befragten fast doppelt so viele besorgt wie noch vor zwei Jahren (9 Prozent).


Wie real die Risiken sind, zeigen die Zahlen zur Situation bei der dualen Berufsausbildung. Während die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze stieg und die Unternehmen 3000 zusätzliche Ausbildungsstellen meldeten, sank die Zahl der registrierten Bewerberinnen und Bewerber um 2000. In der Folge sank auch die Zahl der Ausbildungsverträge um 2576 oder um 4 Prozent auf 69.345. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 23 Prozent der befragten Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen, während es in den beiden Jahren zuvor nur jeweils 16 Prozent waren.

Die Unternehmen agieren auf vielfältige Weise, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern: durch mehr Aus- und Weiterbildung etwa, durch die Öffnung für neue Zielgruppen am Ausbildungsmarkt sowie durch die Weiterbildung und Bindung bereits vorhandener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Außerdem suchen die Unternehmen früh den Kontakt zu möglichen Bewerbern: durch das Angebot von Praktikumsplätzen, Kooperationen mit Schulen oder mithilfe eines verbesserten Ausbildungsmarketings.


All diese Angebote greifen letztendlich nur in Gänze, wenn auch von Landesseite entsprechende Strukturen und Angebote vorgehalten werden, um zum Beispiel die Qualität der Berufsorientierung zu stärken, Mobilität bei Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt zu fördern und das duale Ausbildungssystem zu stärken und als gleichwertiges und attraktives
Angebot im Vergleich zum Studium zu präsentieren.


Diese und weitere Erfordernisse werden im aktuellen Fachkräftereport formuliert.