(Foto: Picture-Factory - fotolia.com)
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IHK-Aufstiegsfortbildung als Berufsperspektive

Jährlich absolvieren rund 50.000 Frauen und Männer bei den Industrie- und Handelskammern (IHKs) eine Aufstiegsfortbildung, zum Beispiel zum Fachwirt, zum Bilanzbuchhalter oder zum Industrie- bzw. Fachmeister. Diese im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankerten Weiterbildungen stehen auf einer Stufe mit dem Bachelor-Abschluss. Technisch gesehen sind beide im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Niveau 6 – eine dreijährige duale Ausbildung erreicht zum Beispiel Niveau 4. Zwischen 2003 und 2013 haben über eine halbe Million Menschen einen solchen qualifizierten Abschluss bei einer IHK erworben. Jeder fünfte dual Ausgebildete nimmt im Verlauf seines Erwerbslebens an einer solchen Prüfung teil. Doch viele wissen nicht um die Vorteile, die eine Aufstiegsfortbildung ihren Absolventen bietet.

Aufstiegsfortbildung als Antwort auf Fachkräftemangel

Zahlreiche Hochschulen in Deutschland platzen aus allen Nähten: Mit weit über 500.000 Erstsemestern gibt es derzeit fast so viele Studien- wie Ausbildungsanfänger. Zugleich verzeichnen viele Branchen und Berufe unbesetzte Ausbildungsplätze. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland erwachsen daraus ganz neue Risiken: Vor allem kleine und mittlere Betriebe, die in ihrer Region auf Fachkräfte angewiesen sind, stehen vor großen Problemen. Die Fachkräftelücke zu schließen, ist daher zu einem wichtigen Aufgabenfeld der Politik geworden. Der Charakter der Aufstiegsfortbildung mit viel Praxisbezug, Betriebsnähe und Hands-on-Mentalität ist in der Wirtschaft gefragt, da die Absolventen fachlich spezialisiert und breit aufgestellt sowie vielfältig einsetzbar sind. Abschlüsse der Aufstiegsfortbildung tragen dazu bei, Arbeitnehmer besser auf berufliche Herausforderungen vorzubereiten und Fachkräftelücken rechtzeitig entgegenzuwirken. Dieser Weg ermöglicht den Teilnehmern auch den Sprung in Spezialisten- und Führungspositionen. Konsequenterweise ist die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe sogar noch niedriger als bei den Hochschulabsolventen.

Mehr Wissen, mehr Verantwortung, mehr Geld

In einer aktuellen DIHK-Umfrage berichteten 62 Prozent der Prüfungsteilnehmer von positiven Auswirkungen der Aufstiegsfortbildung auf ihre berufliche Entwicklung. Fünf Jahre nach der Prüfung verzeichnen sogar fast drei Viertel Weiterbildungserfolge. Dreiviertel derer, die einen entsprechenden Erfolg vermelden, geben an, aufgestiegen zu sein oder jetzt einen größeren Verantwortungsbereich zu haben. 69 Prozent in dieser Gruppe haben sich finanziell verbessert: Ein Viertel davon berichtet von Einkommenszuwächsen in Höhe von monatlich 750 Euro und mehr. Und über 50 Prozent erhalten nach der Weiterbildung mindestens 450 Euro pro Monat mehr Lohn. Das Engagement lohnt sich also, nicht zuletzt finanziell.

Bekanntheitsgrad und Image steigern

Aufstiegsfortbildungen sind in der Bevölkerung relativ wenig bekannt – ganz im Gegensatz zu den Hochschulabschlüssen. Ein Studium ist für viele die erste Wahl – was oft falschen Vorstellungen und der Einstellung der Eltern geschuldet ist. Berufliche Bildungswege müssen an Gymnasien gleichwertig neben akademischen beworben werden. Auch die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung gilt es zu erhöhen. Akademiker, Personalentwickler oder Lehrer haben selbst leider oft nur geringe Kenntnisse über Karrierewege der beruflichen Bildung. Die Vielfalt und die Wertigkeit der Abschlüsse der Aufstiegsfortbildungen müssen daher den genannten Gruppen stärker vermittelt werden, damit junge Leute umfassend über den Karriereweg der beruflichen Bildung informieren werden können. Das kann nicht nur Studienabbrüche vermeiden helfen, sondern auch eine gesunde Balance zwischen dual Ausgebildeten mit Aufstiegsfortbildungsprüfung einerseits und akademisch Ausgebildeten andererseits ermöglichen.