Duale Ausbildung: Modern und zukunftsfest

Die Zeiten, wo junge Menschen in einer drei- oder dreieinhalbjährigen Lehre für 50 Jahre Berufstätigkeit fit gemacht werden konnten, sind vorbei. Technischer Fortschritt und globaler Wettbewerb zwingen die Wirtschaft zu immer neuen Innovationen. Das kann und wird nicht ohne Auswirkungen auf die betriebliche Berufsqualifizierung bleiben.Das Angebot an dualen Berufsausbildungsmöglichkeiten darf sich nicht im traditionellen Raster drei- und dreieinhalbjähriger Ausbildungsberufe erschöpfen. Wir müssen die ganze Bandbreite des Berufsbildungsgesetzes für zukunftsweisende Strategien nutzen. Auch und gerade, um im Wettbewerb mit dem Hochschul-Bachelor auf Dauer bestehen zu können. Natürlich brauchen wir dreijährige Spezialberufe weiterhin, aber eben nicht ausschließlich.

Kürzere Qualifizierungswege sind geeignet, der Wirtschaft eine rasche und marktgerechte Qualifizierung ihres Facharbeiternachwuchses zu ermöglichen. Gerade mittelständischen und jungen Betrieben können straffe und unkomplizierte Ausbildungsgänge den Einstieg in die Fachkräftequalifizierung erleichtern. Zudem verbessern sich damit die Berufs- und Beschäftigungschancen für Jugendliche ohne Abitur oder Fachoberschulreife. Nicht alle müssen sich immer bis in die kompliziertesten Tiefen eines Eventualfalles spezialisieren.

Wir haben schon sehr konkrete Vorstellungen: Das Berufsausbildungskonzept der Zukunft heißt Berufsgruppen und passt hervorragend zum Modell des DIHK „Dual mit Wahl“. Es zielt auf verwandte Tätigkeiten und stellt darauf ab, möglichst viele fachliche Gemeinsamkeiten in den ersten Ausbildungsjahren zu vermitteln. Im Idealfall gliedert sich die Berufsausbildung in zwei Kompetenzabschnitte, damit drohendem Fachkräftemangel mit zügig wirkenden Maßnahmen begegnet werden kann: Im ersten Abschnitt werden vorrangig die grundlegenden Qualifikationen einer Branche oder Berufsgruppe vermittelt; mit gemeinsamem Berufsschulunterricht und Abschlussprüfung.

Im darauf aufbauenden Ausbildungsabschnitt liegt der Schwerpunkt bei spezielleren Kompetenzen. Diese können je nach Ausprägung in selbständigen Spezialberufen oder in unterschiedlichen Fachrichtungen, Schwerpunkten oder Wahlqualifikationen erworben werden.

Dieses Modell erlaubt vernünftige Klassengrößen in den Berufsschulen. Zudem wird das berufsbegleitende Lernen gefördert. Das Konzept hat sich bereits bewährt. Es wird bspw. in der Bauwirtschaft oder im Einzelhandel schon sehr erfolgreich angewandt. Es sollte nun Regelfall in vielen Branchen und Einsatzgebieten werden. Diese Flexibilität hat Vorzüge für Betriebe und junge Menschen gleichermaßen. Die Vertragspartner haben dann drei Möglichkeiten:

  • Sie entscheiden sich wie bisher von vornherein für einen dreijährigen Beruf.
  • Sie verständigen sich zunächst auf einen zweijährigen Beruf und vereinbaren direkt im Anschluss nach betrieblichen Belangen, persönlichen Interessen und Fähigkeiten ob und ggf. mit welcher Spezialisierung die Ausbildung fortgesetzt wird.
  • Sie belassen es bei dem erlernten zweijährigen Beruf. Je nach betrieblichem Bedarf und persönlichem Interesse kann zu einem späteren Zeitpunkt die Weiterqualifizierung im dreijährigen Beruf erfolgen.

Sicherlich lässt sich die Idee nicht in jedem Fall realisieren. Nicht alle Berufe können einer „Berufsgruppe“ zugeordnet werden. Aber wo immer möglich, sollten wir dieses Konzept umsetzen – auch um neue Betriebe und Branchen für die duale Ausbildung zu gewinnen. Es wird viel Energie zum Qualitätsmanagement und zur Qualitätssicherung in der Berufsausbildung investiert. Das maßgebliche Qualitätskriterium ist für mich die nachhaltige Arbeitsmarktverwertbarkeit. Ich sage: Wenn wir alles dafür tun, dass die Ausbildung wieder ausschließlich in marktgängigen Berufen und mit Unterstützung der Berufsschulen unmittelbar in Betrieben stattfindet, ist das der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Zum einen ist so der nahtlose und reibungslose Übergang von Ausbildung in Beruf gewährleistet. Zum anderen setzen nahezu alle Wirtschaftsunternehmen in ihrem Einstellungsverhalten auf Bewerber, die im Produktions- und Dienstleistungsprozess ausgebildet wurden. Sie setzen kaum auf Absolventen außerbetrieblich oder pädagogisch dominierter Berufsqualifizierungsmaßnahmen.
Wichtig sind marktwirtschaftliche Anreize für Unternehmen, sich in der Nachwuchsqualifizierung neu oder stärker zu engagieren. Zu nennen sind hier:

  • schlanke, lesbare und leicht handhabbare Ausbildungsordnungen, die Unternehmen ohne Hilfe von außen umsetzen können
  • straffe und kostengünstige Prüfungen
  • ein ausgewogenes Angebot an zwei- und dreijährigen Ausbildungsberufen
  • wenig Bürokratie bei der Zuerkennung der Ausbildereignung.

Gesetze und Verordnungen, die über den Nachweis der beruflichen und persönlichen Eignung hinaus kollektiv zu bestimmten Kursen und Prüfungen verpflichten, werden modernen Qualitätsansprüchen nicht gerecht. Auch werden wir damit nicht gezielt neue Unternehmer für die Berufsausbildung junger Menschen gewinnen können. Natürlich muss es weiterhin ein Qualifizierungsangebot für Ausbilder geben. Aber dieses Angebot muss freiwillig und auswahlfähig sein. Es muss durch Qualität und Nutzen für die Teilnehmenden bestechen. Hier würde den Kammerorganisationen ein klares Bekenntnis zu Deregulierung und Entbürokratisierung gut zu Gesicht stehen.