Irreführend und undurchsichtig: Die Hygiene-Ampel

Im Gespräch mit den Veranstaltungsteilnehmern: (v. l.) Marc Weber, Heinrich Bruns (Inhaber der Burgstuben „Haus Kemnade“) und IHK-Geschäftsbereichsleiter Stefan Postert (v. l.)

Im Dezember 2013 ging die sogenannte „Hygiene-Ampel“ für Gastronomiebetriebe in Nordrhein-Westfalen als Pilotprojekt online. Zwei Jahre lang werden die Ergebnisse staatlicher Lebensmittelkontrollen in den beiden Modellstädten Bielefeld und Duisburg in Form von Ampelfarben – also Rot, Gelb und Grün – im Internet veröffentlicht. Auf Einladung der IHK Mittleres Ruhrgebiet und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Westfalen e.V. informierten sich am  27. März in den Burgstuben „Haus Kemnade“ in Hattingen rund 60 Vertreter aus Gastronomie und Hotellerie über das viel diskutierte Kontrollbarometer.

Marc Weber, Geschäftsführer der Fredulux-Brau GmbH und Betreiber des „Brauhaus Webster“, berichtete über die ersten Erfahrungen mit der Hygiene-Ampel in Duisburg. Er machte deutlich, dass er das Instrument für eine Irreführung der Verbraucher hält. So flössen die Ergebnisse der Hygienekontrollen nur in Teilen in die Betriebsbewertung ein. Gleichermaßen fänden aber auch die „Verlässlichkeit des Unternehmers“ sowie die „Betriebliche Eigenkontrolle“ in die Bewertung Eingang. Zudem führten bereits Lücken in der Dokumentation zu Minuspunkten – und zwar selbst dann, wenn im Betrieb gar keine Mängel festgestellt wurden. Auf Webers Unverständnis stoßen zudem die nur sehr eingeschränkten Möglichkeiten von Nachkontrollen: So könne es sein, dass ein Unternehmen über Wochen oder gar Monate mit einer schlechten Bewertung im Internet dargestellt werde, obwohl festgestellte Mängel sofort beseitigt wurden. Bei alledem, so der Unternehmer, fehle es aus seiner Sicht auch an der rechtlichen Grundlage für das jetzige Vorgehen. Nicht ohne Grund gebe es in Duisburg bereits acht Klagen gegen das Kontrollbarometer.

In der sich anschließenden Diskussion kristallisierte sich eine einhellige Meinung heraus: So sinnvoll und sachgerecht Kontrollen auch seien, so undurchsichtig und intransparent erschienen die Bewertung beziehungsweise die ihr zugrunde liegenden Kriterien. Die Branche fürchte um ihren Ruf, Unternehmen befürchteten, zu Unrecht an den Pranger gestellt zu werden – beides mit unabsehbaren Folgen.