Weg vom tristen Ruhrpott-Image

Immobilienforum Mittleres Ruhrgebiet setzt auf Zukunftsthemen

Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet und die EBZ European Business School haben mit dem neu ins Leben gerufenen Immobilienforum Ruhr den Nerv der Immobilienbranche getroffen: Die rund 25 Teilnehmer des ersten Forums, das am 28. März in den Räumen der EBZ in Bochum über die Bühne ging, waren sich darin einig, dass in Bochum, Herne, Witten und Hattingen die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik deutlich intensiviert werden muss. Denn: Durch Strukturwandel und demografische Entwicklung verändern sich die Anforderungen an Immobilien und Infrastruktur. Neue Ansätze im Bereich der Stadtentwicklung müssen erarbeitet werden. Städte sind begehrt, wenn sie attraktiv sind. Begehrt von älteren Menschen, die kulturelle Angebote und die Zentralität schätzen; von jungen Familien, die urbane Lebensqualität dem Häuschen auf der grünen Wiese vorziehen; von Studenten, die kreative Quartiere suchen; von Projektentwicklern, die vom positiven Image einer Region angezogen werden; und nicht zuletzt von Unternehmen, die gut ausgebildete Fachkräfte und ein großes Kundenpotenzial vorfinden und sich gute Geschäfte versprechen. Keine unlösbare Aufgabe, so der Tenor der Referenten und Teilnehmer des Forums.

Negatives Image schadet

Dennoch – auch darin waren sich die Teilnehmer des Forums einig: Am bisherigen Image der Region muss kräftig gearbeitet werden, will man endlich aus den Negativschlagzeilen heraus. Aber mit dem Finger ausschließlich auf andere zeigen, die die Probleme anpacken und lösen sollen, will die Branche nicht. So wurden bereits beim ersten Treffen zahlreiche Ideen für gemeinsame Projekte gesammelt. Motto: Wir müssen uns selbst helfen, also krempeln wir die Ärmel hoch.

Großes Potenzial für Erneuerung
Die Voraussetzungen für eine positive Dynamik im mittleren Ruhrgebiet sind gegeben, so Raphael Jonas, bei der IHK zuständig für die Immobileinwirtschaft. Allein Bochum ist mit seinen Hochschulen der siebtgrößte Wissenschaftsstandort Deutschlands. Zusammen mit der Uni Witten Herdecke bieten sich gute Ansätze, um das regionale Image aus der medialen Schmuddelecke herauszuführen. Viel zusätzlichen Rückenwind hat die Region, so Jonas, durch die Ansiedlung des Gesundheitscampus NRW erhalten. Die Gesundheitswirtschaft ist eine ausgewiesene Zukunftsbran-che, die zudem mithelfen kann, viele Fragen der demografischen Entwicklung durch gemeinsame Projekte von Gesundheits- und Immobilienwirtschaft zu beantworten. Die Ansiedlung weiterer Unternehmen und Forschungseinrichtungen – nicht nur auf dem Gesundheitscampus – sollte die Impulse für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung verstärken. „Es steckt also viel Leben in unserem Standort“, zeigte sich Jonas zuversichtlich.

Städte ändern ihr Gesicht
Besonders der demografische Wandel stellt die Städte im mittleren Ruhrgebiet vor Herausforderungen. Doch die Kommunen, so Prof. Volker Eichener, Gründungsrektor der EBZ, haben sich noch nicht in ausreichendem Maße auf die sich verändernden Märkte eingestellt. Planer, Investoren und Bauwirtschaft haben oft weit auseinander liegende Vorstellungen, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte: „Eines ist unverkennbar: Die Citys setzen sich neu zusammen. Ganze Quartiere ändern ihr Bild – und ihr Image.“ Eichener fordert Mut für große Lösungen – ein Beispiel: „Der Westpark in Bochum muss an die Innenstadt, an die Kultur- und Kreativszene angeschlossen werden. Neue Studentenwohnungen und hochwertige Immobilienangebote im Innenstadtbereich steigern zudem die Attraktivität der ganzen Stadt.“

Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik
Vor diesem Hintergrund eröffnet sich ein breites Themenspektrum, mit dem sich das Immobilienforum Mittleres Ruhrgebiet zukünftig befassen will. Es bietet eine regionale Plattform, die neben dem fachlichen Austausch zwischen namhaften Vertretern der Branche auch aktuelle regionale und kommunale Planungen aufgreift. Die Referenten des Abends setzten schon die ersten Impulse: Kirstin Gehrmann, Geschäftsfüh-rerin der „ImmobilienDienst der Sparkasse Bochum GmbH“, Christian Hansmann, Immobilienberater der Brockhoff und Partner Immobilien GmbH, Essen, und der Standortentwickler Edgar Neufeld, Mitinhaber der Neufeld und Kampheuer GbR, Witten, sorgten mit ihren Statements für rege Diskussionen und die Bitte an die Initiatoren, den begonnenen Dialog zeitnah fortzusetzen.