1. IHK-Handelstag NRW setzt auf Stärkung der Innenstädte

Referenten und Podiumsteilnehmer des 1. IHK-Handelstag NRW (Bildnachweis: IHK zu Düsseldorf)

Ein klares Bekenntnis zur Stärkung von Innenstädten und Stadtteilzentren und die Hoffnung, in der Kommunalpolitik einen verlässlichen Partner gegen Einzelhandels-Auswüchse auf der grünen Wiese zu finden – das sind die Kernbotschaften des 1. IHK-Handelstages NRW, zu dem IHK-NRW in den „Malkasten“ nach Düsseldorf geladen hatte. Die Referenten und die mehr als 250 Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Landespolitik waren sich noch in zwei weiteren Punkten einig: Qualitative Entwicklung im Einzelhandel müsse die quantitative Entwicklung ersetzen und FactoryOutletCenter gehören ausschließlich in zentrale Versorgungsbereiche in Oberzentren – nicht auf Grünflächen zwischen ländlich gelegenen Kommunen.

Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat der Stadt Witten, brachte es auf den Punkt: „Menschen – und damit auch Politiker – handeln nicht immer vernünftig. Deshalb brauchen die Kommunen die Regeln des Landes. Wenn sie auch sehr spät kommen.“ Bradtke meinte damit den „Sachlichen Teilplan Großflächiger Einzelhandel“ als Teil des neuen Landesentwicklungsplans, der Kommunen nach dem Willen der Landesregierung Instrumentarien an die Hand geben soll, den Begehrlichkeiten von Investoren auf der grünen Wiese zu begegnen. „Wir müssen die Politik abholen“, so Stefan Kruse vom Gutachterbüro „Junker + Kruse“ aus Dortmund, „damit sie nicht jedem Investor hinterherläuft.“

Ein viel stärkeres Miteinander von Handel und Kommunen forderte auch Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG und Vorsitzender des Handelsausschusses des DIHK, ein. „Aus meiner Sicht sind Handelsunternehmen gut beraten, ihr Vorgehen mit den Städten und Regionen gemeinsam abzustimmen. Denn auch die Kommunen müssen ein Interesse daran haben, dass ihre Innenstädte attraktiv und individuell bleiben. Für die gesamte Wirtschaft einer Region sind lebendige Innenstädte mit viel Handel wesentliche Standortfaktoren.“

Einzelhandelsentwicklung, das machte Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, deutlich, sei immer auch Stadtentwicklung. Und die Landesregierung wolle sich stark machen für die Entwicklung der Innenstädte. Man wolle „die Kleinen“ schützen und eine „Chancengleichheit der Standorte“ herstellen. Um dies zu erreichen, so Dr. Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer der IHK Düsseldorf, „muss der großflächige Einzelhandel weiter gesteuert werden – und zwar in die zentralen Versorgungsbereiche“. Also weg von der grünen Wiese.

Dass Handel und Innenstadt „zusammengehören“ – dies verdeutlichte auch Axel Funke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Multi Development Germany GmbH aus Duisburg. Einkaufszentren in Innenstädten trügen in vielen Fällen zur „Stadtreparatur“ bei, Politik und Investoren seien aufgerufen, den „privaten und öffentlichen Raum organisiert zu gestalten“. Die Leute wollten Spaß beim Einkaufen haben – diesen Spaß müsse man ihnen zwingend in den Innenstädten bieten.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, den man längst spüre, erhob Stefan Kruse die unwidersprochene Forderung, „den Wachstumsgedanken aus den Köpfen zu ver-treiben“. Es könne angesichts einer stagnierenden Kaufkraft und sinkender Bevölkerungs-zahlen nicht darum gehen, immer mehr Einzelhandelsfläche anzubieten. „Wenn wir einen Wachstumsgedanken hegen sollten, dann den der Qualität.“

Wie dies aussehen könnte, beschrieben Prof. Dr. Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, und Prof. Dr. Claudius A. Schmitz von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Dem Einzelhandel, so Kaapke, wachse angesichts immer älterer Kunden eine „hohe soziale Funktion“ zu. „Wir brauchen beispielsweise Personal, das den älteren Kunden auch ansprechen kann.“ Und Schmitz betonte, im Wettbewerb werde nur jener Einzelhändler bestehen, „der ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen“ könne. Dies könne die Qualität des Angebots sein, die Art der Präsentation oder die Ungewöhnlichkeit der Geschäftsidee.

Die Präsentationen der Referenten finden Sie auf dieser Seite zum Download,

die Präsentation von Herrn Dr. Hudetz können Sie über diesen Link einsehen.