IHK-Handelsforum Ruhr 2015 - Digitalisierung: Top-Thema für den Handel im Ruhrgebiet

Die "Zukunft des Handels - Digitalisierung der Städte" war Thema des diesjährigen IHK-Handelsforums Ruhr 2015, zu dem die sechs Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Ruhrgebiet - die IHKs Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Mittleres Ruhrgebiet und Nord Westfalen - eingeladen hatten. Anlässlich des 175-jährigen Bestehens der IHK zu Essen fand dieses Forum in der traditionsreichen Handels- und Gründerstadt Mülheim an der Ruhr statt - hier wurde 1840 die IHK Essen gegründet. Als außergewöhnlicher Veranstaltungsort wurde das Baustoffzentrum Harbecke gewählt.

Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen und derzeit federführenden Ruhr-IHK, konnte hierzu rund 200 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung begrüßen. Jutta Kruft-Lohrengel: „Die Digitalisierung der Städte schreitet voran und beschleunigt den gerade im Ruhrgebiet stattfindenden Strukturwandel des Handels zusätzlich.“

Stichwort: „Smart City“. Der flächendeckende Einsatz digitaler Technologien hat das Ziel, Städte und Gemeinden für Bürger und Besucher attraktiver, moderner, besser und ansprechender zu machen. Wenn Besucherzahl und Aufenthaltsdauer in der Stadt steigen, werden auch Angebote von Handel, Dienstleistern und Gastronomie besser genutzt. Kurzum: Die Umsätze nehmen zu.

Der stationäre Handel sollte den Online-Handel nicht nur als Gefahr, sondern deren Erfolgsstories auch als Vorbild ansehen. Deshalb lautet auch die Empfehlung der IHKs Ruhr, die Digitalisierung als Chance zu begreifen und davon zu profitieren.

„Der "Multi-Channel"-Handel bietet für viele Unternehmen eine riesige Chance, die sie aber auch nutzen müssen“, betonte Jutta Kruft-Lohrengel. Die Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet bleiben attraktiv: Nicht ohne Grund eröffnen jetzt einige große Internetunternehmen selbst stationäre Ladengeschäfte in Städten, um von den Vorteilen der gewachsenen Handelslagen zu profitieren.

Aber auch die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Der Appell der IHKs im Ruhrgebiet an die Politik lautet daher: Wer die Digitalisierung als Trend verkündet, muss Hürden abbauen; Regelungsflut ist der falsche Weg. Auch die technischen Voraussetzungen müssen stimmen: So kann die Bedeutung von schnellem Breitband auch außerhalb von Ballungsgebieten nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Auch der Handel muss tätig werden. Kruft-Lohrengel: "Aus Sicht der Ruhr IHKs können wir nur allen Händlern raten, sich intensiv mit der eigenen Digitalisierung zu befassen."

Denn noch sieht die Realität etwas anders aus: Die IHKs haben die Handelsunternehmen im Ruhrgebiet in der letzten Konjunkturumfrage gefragt, ob sie ihre Produkte digital vertreiben. Erstaunliches Ergebnis: 61 Prozent der Händler nutzen digitale Vertriebskanäle nicht.

In Fachvorträgen und Erfahrungsberichten stellten Experten aus der Branche aktuelle Trends und Entwicklungen dar. Seit 2010 erfassen die IHKs jährlich alle Einzelhandelsbetriebe ab 650 qm Verkaufsfläche im Ruhrgebiet (inkl. Kreis Kleve und Märkischer Kreis). Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung GmbH, Köln, präsentierte die neusten Ergebnisse; er zeigte auf, wie sich der Einzelhandel im Ruhrgebiet durch die Digitalisierung verändern wird. Stephan Grünewald vom rheingold Institut, Köln, gab den Teilnehmern Einblick in die Kundenseele und beschrieb eindrucksvoll, wie der Verbraucher eigentlich tickt.

Karl-Uwe Bütof, NRW-Wirtschaftsministerium, sprach zum Thema „Digitalisierung – Sackgasse oder Königsweg für den stationären Handel?“. Praxisnahe Einblicke in die Multi-Channel-Strategien gaben Christian Winter, Tengelmann Ventures GmbH, Mülheim an der Ruhr und Leonard Kramer, Sonntagmorgen GmbH, Porta Westfalica.

Die derzeit drängenden Fragen wurden in einer Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Jutta Kruft-Lohrengel, vertieft. Die „Schlusswörter“ hatte Patrick Salmen, Deutscher Poetry-Slam-Meister 2010.