Zukunft braucht Raum

Bereits im Januar 2012 reagierten die Industrie- und Handelskammern (IHK) im Ruhrgebiet mit Unverständnis auf die Ankündigung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, den Freiflächenverbrauch im Land drastisch zu begrenzen. „Wenn Umweltminister Remmel öffentlich erklärt, man brauche bei abnehmender Bevölkerung nicht den zehnten oder elften Baumarkt, dann ist das zwar plakativ – geht aber am eigentlichen Kern der Problematik vorbei“, so Stefan Postert, Geschäftsbereichsleiter der derzeit für die Ruhr-IHKs federführenden IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum. Denn: „Die Städte brauchen in Zukunft weitere bedarfsgerechte Wirtschaftsflächen für ihre industrielle und gewerbliche Entwicklung.“

Die IHKs im Ruhrgebiet verlangen nach wie vor eine deutlich differenziertere Betrachtung, um den Industriestandort Ruhrgebiet nicht zu schwächen. Es sei nachvollziehbar, vorrangig Brachflächen für die Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe zu nutzen – allerdings dürfe man nicht übersehen, dass viele dieser Flächen Restriktionen unterlägen (Stichwort: Altlastenproblematik; angrenzende Wohnbebauung) oder überhaupt nicht verfügbar seien, weil sie sich zum Beispiel nicht im Eigentum von Kommunen befänden. Und: Auch Windräder und Biogasanlagen benötigen Gewerbeflächen, sodass auch hier Platz erforderlich ist.

Deshalb ist für die Ruhr-IHKs klar: Besser wäre es, über eine Neuregelung der Ausgleichs- und Ersatzflächenregelung nachzudenken, um Alternativen in einer vernünftigen Flächennutzung anzubieten. Nur die Wiedernutzbarmachung von Brachflächen decke auf keinen Fall den Bedarf einer expandierenden Wirtschaft, deshalb müsse die Ausweisung von neuen Wirtschaftsflächen eine Option bleiben. Denn Unternehmen sichern den Wohlstand unserer Region. Sollen sie diese Aufgabe auch zukünftig übernehmen, benötigen sie Flächen, und zwar: die richtige Menge zur richtigen Qualität am richtigen Ort. Wenn dies nicht mehr gewährleistet ist, kommen sie erst gar nicht oder wandern ab. Und mit ihnen die Arbeitsplätze.