Studie "Vom Brutto zum Netto"

Wirtschaft darf weniger Flächen nutzen, als der Regionalplan ausweist
Im Durchschnitt sind nur zwei Drittel der Flächen, die im Regionalplan für Industrie und Gewerbe zur Verfügung stehen, für Unternehmenszwecke nutzbar. Das ist das Ergebnis der landesweiten Studie „Vom Brutto zum Netto – Unterschiede zwischen regionalplanerisch gesicherter und tatsächlich gewerblich nutzbarer Fläche in den IHK-Bezirken Nordrhein-Westfalens“. Im Auftrag der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen (IHK NRW) hat das Büro für Freiraumplanung in Zusammenarbeit mit dem Büro StadtRaumKonzept nach dem Zufallsprinzip 24 Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereiche, die regionalplanerisch gesichert sind, untersucht. Neben der Frage nach den tatsächlich genutzten Flächen beschäftigten sich die Büros mit dem Aspekt, welche regional- und landesplanerischen beziehungsweise politischen Konsequenzen aus den Erkenntnissen zu ziehen sind.

Um die Wirtschaftskraft Nordrhein-Westfalens auch in Zukunft voll entfalten zu können, ist es essenziell, dass ausreichend viele und marktkonforme Flächen für Gewerbe- und Industriegebiete zur Verfügung stehen. Allerdings wird im Rahmen der Erarbeitung des Regional- und Landesentwicklungsplans die Diskussion, welche Flächen für was genutzt werden dürfen, verstärkt zu Lasten der Wirtschaft geführt. Dadurch können neue Industrie- und Gewerbeflächenausweisungen behindert werden. Dies birgt die Gefahr, dass Investitionen nicht innerhalb, sondern außerhalb von NRW realisiert werden.

Dabei ist der effiziente Umgang mit allen Ressourcen, also auch mit Flächen, für die Wirtschaft in NRW selbstverständlich. Das zeigen Zahlen, die IT.NRW veröffentlicht hat. Demnach lag die tägliche Flächeninanspruchnahme von Gewerbe und Industrie im Jahr 2012 mit 0,4 Hektar weit hinter der anderer Nutzungen. 2014 wurden täglich sogar 0,5 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen „zurückgegeben“, wenn man ganz NRW betrachtet.

Grund für die geringe Ausnutzbarkeit der Regionalplanflächen sind zahlreiche planungs- und umweltrechtliche Regelungen, die seit Mitte der 1990er-Jahre eingeführt worden sind. Bei einer separaten Betrachtung der Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereiche, deren Bebauungspläne nach dem Jahr 2000 aufgestellt wurden, liegt der Nettoanteil der Flächen, die gewerblich genutzt werden können, nur noch bei 57 Prozent. In den Bebauungsplänen vor 2000 lag die Nettoquote bei 71 Prozent. Die Untersuchung zeigt, dass mit dem Rückgang der gewerblich-industriell nutzbaren Flächen ein Anstieg der Grünflächenanteile einhergeht. Sie lagen vor 2000 bei 20 Prozent und sind danach auf 30 Prozent gestiegen.


IHK NRW fordert, bei der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans die Frage nach der angemessenen Größe der festzusetzenden Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereiche zu diskutieren. Entscheidend ist, den Kommunen genügend geeignete Flächen zur Verfügung zu stellen.