Energiewendebarometer 2016: Industrie in NRW weiter eher skeptisch

Die Unternehmen in NRW stehen der Energiewende in der Mehrzahl nach wie vor eher skeptisch gegenüber. Das ist das Ergebnis des aktuellen „Energiewendebarometers“ von IHK NRW, welche auf einer Umfrage von rund 460 nordrhein-westfälischen Unternehmen basiert. Demnach überwiegen derzeit mit Blick auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit für 23,7 Prozent die negativen oder sehr negativen, für 16,5 Prozent der Befragten die positiven oder sehr positiven Folgen der Energiewende. 54,5 Prozent der Unternehmen schätzen die Auswirkungen als insgesamt neutral ein.

Gegenüber dem Vorjahr verbesserte sich die Bewertung. Noch im Jahr 2015 überwogen nur für 10,1 Prozent die positiven beziehungsweise sehr positiven Auswirkungen (Anstieg um sechs Prozentpunkte), negative beziehungsweise sehr negative Auswirkungen standen hingegen noch für 30,3 Prozent im Vordergrund (Rückgang um sieben Prozentpunkte). Besonders kritisch fällt die Bewertung unter den Industrieunternehmen aus. 38,7 Prozent von ihnen sehen eher negative oder sehr negative Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit, nur für 13,3 Prozent überwiegen die positiven oder sehr positiven Auswirkungen. Damit werden in kaum einem anderen Bundesland die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen so kritisch bewertet wie in NRW.

Aus Sicht der Befragten besteht weiterhin großer politischer Handlungsbedarf, um die Energieversorgung sicher, bezahlbar und umweltverträglich zu gestalten. An erster Stelle steht die Notwendigkeit, den Netzausbau zu unterstützen (84,7 Prozent). Gerade dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr (77,6 Prozent) nochmals deutlich angestiegen, was den aus Sicht der Unternehmen hohen Handlungsdruck unterstreicht. Als weitere Punkte werden eine Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren (67,4 Prozent) sowie eine bessere Abstimmung der politischen Maßnahmen (63,1 Prozent) genannt.

Als Reaktion auf die Energiewende ergreifen die Unternehmen vielfältige Maßnahmen. Neben Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten beim Thema Energieversorgung. 56,1 Prozent befassten sich zum Zeitpunkt der Befragung mit einem Wechsel ihres Versorgers bzw. haben einen solchen bereits vollzogen. Fast ebenso viele (54,1 Prozent) bemühen sich um langfristige Lieferverträge. 47,8 Prozent der Unternehmen treffen Vorkehrungen gegen mögliche Stromausfälle.

NRW ist als deutsches Energieland Nr. 1 in besonderem Maße von der Energiewende betroffen: Hier werden rund 30 Prozent des bundesweit verbrauchten Stroms erzeugt. Etwa 240.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Energiewirtschaft ab. Zugleich wird in NRW rund 30 Prozent des industriell eingesetzten Stroms verbraucht. Über 200.000 Beschäftigte arbeiten in energieintensiven Industriebetrieben. Alle Herausforderungen, die die Energiewende mit sich bringt – eine Neuausrichtung der gesamten Energieversorgung mit spürbaren Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit – sind in NRW also besonders spürbar.

Die vollständige Auswertung der Umfrage zum Energiewendebarometer 2016 von IHK NRW finden Interessenten rechts im Downloadbereich.

IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.

Die bundesweite Auswertung des DIHK kann hier heruntergeladen werden.

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