Mehr als nur smarte Produktion

Die Informationsveranstaltung der IHK zu „Industrie 4.0“ fand bei der Entex Rust & Mitschke GmbH in Bochum statt.

Foto: © IHK Mittleres Ruhrgebiet



Für viele Unternehmer ist die „vierte industrielle Revolution“ noch immer mit mehr Fragen als Perspektiven belegt. Für die IHK Mittleres Ruhrgebiet Grund genug, den industriellen Mittelstand im Rahmen einer praxisorientierten Informationsveranstaltung über die neuesten Entwicklungen zu informieren und mit den regionalen Kompetenzträgern in intensiven Informationsaustausch zu bringen.

Mit der Entex Rust & Mitschke GmbH, einem 1986 gegründeten, inhabergeführten mittelständischen Bochumer Maschinenbauunternehmen, hatte die IHK für diese Veranstaltung einen idealen Kooperationspartner gefunden, der überdies mit seiner Erfahrung im Bereich der Tiefenerodiertechnik (3. Generation) ein innovatives Praxisbeispiel zu Industrie 4.0 beisteuerte. Aufgrund der zentralen Bedeutung im Fertigungsprozess verfügte bereits die 1. Generation der Erodiermaschinen bei Entex seit 1993 über ein automatisches SMS-Alarmmeldesystem. Planetwalzenextruder, die mittels Tiefenerodiertechnik hergestellt werden, sind neben Kühlbändern und Kalanderwalzen nur einige Produkte, die das 140 Mitarbeiter zählende Unternehmen am Bochumer Standort herstellt und weltweit vertreibt.

Dass unter dem Begriff Industrie 4.0 inzwischen weit mehr als nur die smarte Produktion zu verstehen ist, verdeutlichte Prof. Michael Abramovici, Inhaber des Lehrstuhls für Maschinenbauinformatik der Ruhr-Universität Bochum. Bereits jetzt gehe von der Digitalisierung ein enormer Druck aus, so Abramovici, da sie sich auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirke und ihr Einfluss ganze Produktlebenszyklen bis hin zur Entsorgung umfasse. Zwar liefen zurzeit ca. 90 bis 95 Prozent der Projekte bei Großkonzernen, aber vor dem Hintergrund der enormen Nutzenpotenziale müsse auch der Mittelstand die Frage nach dem Sinn und den Möglichkeiten zur Verbesserung seiner bestehenden Produkte und Produktionsprozesse möglichst  kreativ und individuell beantworten. Ihr besonderes Augenmerk sollten Unternehmen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprozessen sowohl auf die rechtlichen, wie auch auf die technischen Anforderungen richten. Schließlich müsse es im unternehmerischen Eigeninteresse liegen, seiner besonderen Sorgfaltspflicht zu genügen, um sich angemessen gegen Cyberangriffe in Produktionsanlagen abzusichern.

Christoph Heidenreich, VIDEC Data Engineering GmbH, Bochum, erläuterte, welche Angriffsvektoren generell zum Ausspähen von Daten zur Verfügung stehen, wie man ein ganzheitliches Risikomanagement aufbaut und welche einfachen Lösungen zielführend sein können.

Mit seinem Vortrag zum Thema „Digitalisierung ist Herausforderung und Chance…“ ergänzte Professor Dr. phil. Joachim Zülch, Managementinstitut Bochum (MIB), die Aussagen seiner Vorredner um die speziellen Auswirkungen auf Organisation und Mitarbeiter selbst. Aus seiner Sicht reagieren Menschen beim Umgang mit der Digitalisierungswelle höchst unterschiedlich. Allen zu Eigen sei zunächst, dass sie sozusagen per Werkseinstellung auf Kontinuität kalibriert seien. Daher falle ihnen eine Veränderung in dieser Dimension überhaupt nicht leicht, und es sei Aufgabe des Managements, dies entsprechend zu berücksichtigen.

Zum Abschluss des Vortagsteils berichtete Johannes Peuling in seiner Funktion als Geschäftsführer des Bochumer Instituts für Technologie (BoIT) über dessen Struktur, Aufgaben und erste Transferprojekte. Das BoIT hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Technologietransfer die Lücke zwischen Unternehmen und Hochschulen am Standort zu schließen.

Der weitere fachliche Informationsaustausch fand an sogenannten Thementischen statt, die von den regionalen Kooperationspartnern betreut wurden.

Kooperationspartner der IHK bei dieser Veranstaltung auf einen Blick:

  • Entex Rust & Mitschke GmbH, Bochum
  • VIDEC Data Engineering GmbH, Bochum
  • Managementinstitut Bochum (MIB), Bochum
  • Bochumer Institut für Technologie (BoIT)
  • Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik, Ruhr-Universität Bochum
  • Lehrstuhl für Produktionssysteme, Ruhr-Universität Bochum
  • Effizienzagentur NRW, Duisburg

Vorträge der Kooperationspartner:

 

Zurück