Sitzung des Industrieausschusses am 12.04.2016

Wenn der Betriebsprüfer einmal klingelt...

Ein sensibles und zugleich spannendes Thema – „Herausforderung Betriebsprüfung“ – und interessante Einblicke hinter die Kulissen einer Traditionsgießerei – Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH, Bochum – boten sich den Mitgliedern des Industrieausschusses der IHK Mittleres Ruhrgebiet auf ihrer Frühjahrssitzung am 12. April.

Denn: Irgendwann trifft es jeden selbstständigen Unternehmer – das Finanzamt kündigt eine Betriebsprüfung an. Die Auslöser einer solchen Prüfung können vielfältig sein. Ab was dann zu tun ist und wie man sich richtig vorbereitet, das wollte der Ausschuss einmal mit allen Verfahrensbeteiligten – Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und vor allem mit  Betriebsprüfern (BP) vom Finanzamt – gemeinsam diskutieren. Dazu hatte der Ausschuss Elisabeth Norra und Uwe Narwald vom Finanzamt für Groß- und Konzernbetriebsprüfung, Herne, eingeladen.

Aus der Sicht eines Wirtschaftsprüfers skizzierte Wilhelm-Berthold Schmuch, zeptrum Dr. Adamsen PartG mbh, zunächst das Thema „Steuerprüfung“. Und sein Kollege Ulrich Hesse, Steuerberater in der gleichen Sozietät, ergänzte diese Ausführungen. Geprüft werden grundsätzlich Steuerpflichtige mit Einkünften aus Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit sowie Land- und Forstwirtschaft. Dabei werden Klein- und Mittelbetriebe durch Amts-BP (dezentral), Großbetriebe durch Groß- und Konzern-BP (zentral) geprüft – bei komplexen Sachverhalten unter Hinzuziehung von  Experten der Oberfinanzdirektion. Wie oft tatsächlich geprüft wird, hängt von der Betriebsart (Handelsbetrieb, Fertigungsbetrieb, anderer Leistungsbetrieb, Freie Berufe) sowie von der Größenklasse (Klein-, Mittel- oder Großbetrieb) ab.

Fertigungsbetriebe gelten nach dieser Systematik bereits ab einem Umsatzerlös von 4,8 Millionen Euro als Großbetrieb und müssen durchschnittlich alle 4,9 Jahre mit einer Betriebsprüfung rechnen. Anders bei Mittel- und Kleinbetrieben, bei denen diese Prüfungen im Schnitt nur alle 15,2 bzw. 29,9 Jahre durchgeführt werden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Finanzen haben Betriebsprüfungen dem Staat allein im Jahr 2013 ein Mehrergebnis von 17,2 Mrd. Euro eingebracht. Dabei wurden 21,3 Prozent der 196.402 Großbetriebe geprüft. Bei den Mittel- und Kleinbetrieben lag der Anteil der geprüften Betriebe bei  6,5 bzw. 3,2 Prozent.

Ein noch junges, aber für alle Beteiligten zunehmend wichtiger werdendes Thema ist das der elektronischen Betriebsprüfung (GoBD), denn hierbei gilt es, auch bei IT-Systemwechseln alle steuerlich relevanten Daten stets verfügbar zu halten. Im Rahmen des Ablaufs einer Betriebsprüfung beginnt bereits mit dem Zugang der Prüfungsanordnung die Sperre der Selbstanzeige. Eine neue Regelung, so Schmuch, der besondere Beachtung gelten muss.

Neben einem anfänglich eher faktenorientierten Austausch gab es jedoch durchaus auch Diskussions- und Reibungspunkte, u.a. bei den Themen Abschreibungen oder Rückstellungen. Im Zusammenhang mit Auslandsbeziehungen spielt die Ausgestaltung von Verrechnungspreisen für das Finanzamt eine wichtige Rolle. Um die Prüfung zu erleichtern, sollten sich insbesondere verbundene Unternehmen hier richtig aufstellen. Das Erstellen einer Preisverrechnungsdokumentation kann hier hilfreich sein. Und noch einen interessanten Hinweis gaben die Betriebsprüfer den Mitgliedern des Ausschusses mit auf den Weg: Bei Gestaltungsfragen, insbesondere vor der Umsetzung einer Umstrukturierung, bietet das Finanzamt seine Mithilfe an. Zu beachten sei hier jedoch ein notwendiger zeitlicher Vorlauf von ca. drei Monaten vor einem maßgeblichen Stichtag.

Kopfschutz muss sein: die Mitglieder des IHK-Industrieausschusses vor ihrem Rundgang durch die Gießerei Eickhoff.
© IHK Mittleres Ruhrgebiet

Einen weiten Bogen von der Pionierzeit des Maschinenbaus und Gründung des Unternehmens als Gießerei im Jahr 1864 bis in die heutige Zeit, u.a. als Lieferant von Gewinnungsmaschinen für den Bergbau sowie von Hightech-Getrieben für Windkraftanlagen, spannte Ralf Funke, Geschäftsführer der Eickhoff Gießerei GmbH. Die Eickhoff Gruppe, seit fünf Generationen im Familienbesitz, erwirtschaftet  mit 1200 Mitarbeitern am Standort Bochum ca. 300 Millionen Euro Umsatz. Zur 1999 gegründeten Holding gehören inzwischen sechs operativ tätige Gesellschaften mit weltweit 1800 Mitarbeitern.

Als eine dieser sechs Gesellschaften ist die Eickhoff Gießerei GmbH sowohl mit der Abarbeitung von Aufträgen aus der Gruppe als auch für Dritte tätig. So gießt sie beispielsweise den Schneidarm für eine der größten Kohlegewinnungsmaschinen überhaupt, den Walzenlader SL 1000, der eine Abbauleistung von bis zu 60.000 Tonnen Kohle pro Tag erreicht. Werkstücke mit Stückgewichten bis zu zwölf Tonnen  werden in der Gießerei hergestellt, geputzt und auf Kundenwunsch lackiert.

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