„Die Digitalisierung wird blutig“

Nichts ist so beständig wie der Wandel: Peter Abelmann, Clustermanager LogistikCluster.NRW; Kerstin Groß, Geschäftsbereichsleiterin IHK Mittleres Ruhrgebiet; Werner Geilenkirchen, Geschäftsleitung HERZIG Marketing; Klaus Kothmann, Gründer logistik-consultants.de; Jan Deventer, Inhaber Deventer Kontraktlogistik (v. l.)
© HERZIG Marketing

Das 6. BranchenForum LogistikMarketing.NRW, das am 20. September in den Räumen der IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum stattfand, hatte ein überragendes Thema: den Wandel. Und die Vorträge und Diskussionsbeiträge der rund 30 Teilnehmer zeigten, dass man den permanenten Veränderungsprozess durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Etwa: Es gibt schon heute über 180 Ausschreibungsplattformen, der Einkauf wird zu Einkauf 4.0 – und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik spricht deshalb sogar schon vom „Einkäufer als Auslaufmodell“. Andere sehen den klaren Trend vom Spediteur zum Terminalbetreiber. Egal: Diese und andere Entwicklungen sind bereits heute eine akute Bedrohung für den Vertrieb und das bestehende Geschäftsmodell der Unternehmen. Das BranchenForum versuchte, Trends und Lösungsansätze aufzuzeigen, wie der Wandel gemeistert werden kann …Der Vorsitzende des BranchenKreises Logistikmarketing, Werner Geilenkirchen von der Firma HERZIG Marketing, machte zum Einstieg deutlich, dass die digitalen Veränderungen und der komplette Wandel der Kommunikation zukünftig ganze Unternehmensbereiche in Frage stellen und nachhaltig verändern werden. „Die Digitalisierung wird blutig, noch blutiger wird es, wenn Sie nicht mitmachen“, fand dazu Karl-Heinz Land, Geschäftsführer der neuland GmbH und Co. KG, drastische Worte. „Der traditionelle Spediteur wird überflüssig! Na und?“, war das Vortragsthema von Klaus Kothmann, Gründer von logistik-consultants.de. In seinem Vortrag zeigte er durchaus provokant auf, wie auch kleinere Mitspieler zukünftig ein großes Rad drehen könnten, wenn sie es schafften, sich aus traditionellen Rollenmustern der Logistik zu verabschieden und lernten, die schnellen, kurzlebigen und teilweise auch auf neue Geschäftsmodelle ausgelegten Marktregeln zu verinnerlichen. Im moderierten Unternehmergespräch zwischen Werner Geilenkirchen und Jan Deventer, Inhaber Deventer Kontraktlogistik, wurde die Frage diskutiert, was die Logistikdienstleister den Verladern entgegensetzen, die auf Einkauf 4.0 setzen. Hier ging es vor allem um die technischen Lösungen, die bei Ausschreibungen eingesetzt werden. Denn Ausschreibungsplattformen wie Timocom, Freightos und andere bieten den Verladern die Chance, sehr schnell und unkompliziert Dienstleister zu finden. „Und es gibt immer den Einen, der unter Preis fährt“, brachte einer der Teilnehmer das Dilemma auf den Punkt und fand bei den anwesenden Spediteuren breite Zustimmung.Während einige Teilnehmer die Auffassung vertraten, es ginge nicht mehr um Qualität oder persönliche Beziehungen, sondern nur noch um den Preis, hielt Geilenkirchen in diesem Punkt dagegen: „Gerade die neuen Portale mit integrierten Qualitätsbewertungen durch Verlader wird die Kaufentscheidung über den reinen Preis hinaus beeinflussen, geleistete Qualität und Image werden wieder wichtige Vertriebsargumente.“ Aus der „neuen Welt“ berichtete Jan Deventer – und auch dies mit deutlichen Worten: „Das alte Vertriebsmodell eines Mitarbeiters, der 30 Prozent Innendienst und 70 Prozent draußen beim Kunden war, hat ausgedient. Heute brauchen wir Mitarbeiter, die über die unterschiedlichsten Informationskanäle aktuelle Informationen managen. Am Ende fährt man zum Vertragsabschluss noch hin, aber das ist nicht mehr der Hauptteil der Arbeit.“Kerstin Groß, Geschäftsbereichsleiterin der IHK Mittleres Ruhrgebiet, lenkte mit Ihrem Vortrag über Kulturhauptstädte Europas den Blick auf das Thema Umsetzungsdynamik. Am Beispiel des Strukturwandels in Glasgow zeigte sie Wege zum Imagewandel und strategischer Weiterentwicklung auf. Wichtigste Botschaft: Die Beteiligung von Menschen macht Veränderungsprozesse nachhaltig. „Im Grunde ist der Inhalt bei Veränderungen egal. Eine Veränderung braucht immer nur einen Anlass und ein Ziel“, fasste Kerstin Groß die Gemeinsamkeit von Kultur- und Logistikveränderungen zusammen. Wichtiger Parameter einer erfolgreichen Veränderung sei die Entscheidung für eine Veränderung. Groß: „Seien Sie eine Schlüsselmakrele. Es schwimmen nie alle gleichzeitig in eine neue Richtung. Der Schwarm braucht einzelne Schlüsselfische, die die Richtung ändern. Die anderen folgen.“

 
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