Personenverkehr

Nicht nur Güter werden in der Region bewegt. Gerade und besonders die Menschen, die in der Region leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, gestalten erheblich die Mobilität. Arbeits-, Freizeit-, Lern- und Einkaufswege werden täglich in unzähliger Weise absolviert. Dabei werden verschiedene Verkehrsarten genutzt. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) übernimmt dabei in der Region eine herausragende Funktion, aber auch der motorisierte Individualverkehr (MIV) ist eine nennenswerte Größe im Modal Split (Aufteilung des Verkehrs auf die unterschiedlichen Fortbewegungsmöglichkeiten).

Wegen der hohen Siedlungsdichte in der Metropolregion Ruhr und der limitierten Ressourcen (Infrastruktur, Umwelt) ist vor allem die Erreichbarkeit der Zentren unter verkehrlichen Aspekten eine große Herausforderung für die Zukunft.  Für die Funktionsfähigkeit der Innenstädte als zentrale Versorgungsbereiche ist deren Erreichbarkeit überlebenswichtig.

Die Themen Urban- oder Citylogistik erleben derzeit eine Renaissance, es zeichnen sich Re-Urbanisierungstendenzen ab und die demografische Entwicklung und der damit einhergehende Wandel der Gesellschaft haben einen großen Einfluss auf die Mobilitätsansprüche der Menschen.

Ein leistungsfähiger öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist gerade in der Metropolregion Ruhr unverzichtbar, um das steigende Verkehrsaufkommen abwickeln zu können. Ob über Busse, Stadtbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen, Car-Sharing-Modelle oder Fahrradmietstationen - der ÖPNV übernimmt eine wesentliche Funktion bei der Mobilität innerhalb des Ballungsraumes Ruhr. Ergänzt wird der ÖPNV durch den Schienenpersonenfernverkehr (SPFV), der das Ruhrgebietes an die nationalen und internationalen Wirtschaftszentren anbindet. Im Vergleich zu anderen großen europäischen Metropolregionen (Berlin, Paris, London) sind Organisationsstruktur, Bedienungsangebot und -qualität sowie Kosteneffizienz aufgrund der polyzentrischen Struktur des Ruhrgebietes optimierungsbedürftig. In den vergangenen Jahren wurden an verschiedenen Stellen Verbesserungen erreicht. Besonders im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bestehen jedoch weiterhin Qualitätsmängel.

Um die Situation zu verbessern, sollte das Ruhrgebiet noch konsequenter den Wettbewerb nutzen. Auch die weitere Öffnung des straßengebundenen ÖPNV-Marktes für den Wettbewerb ist unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen an das ÖPNV-System im Ruhrgebiet sowie unter Beachtung der Interessen des privaten mittelständischen Gewerbes zu prüfen.

Die zunehmende Öffnung der Märkte und die Kooperation über Verkehrsverbundsgrenzen hinweg müssen im Sinne einer verbesserten Kostentransparenz und -effizienz geschehen. Die bestehenden Finanzierungssäulen im ÖPNV müssen transparenter werden und – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden.

Der Rhein-Ruhr-Express als neues leistungsfähiges, schnelles und vertaktetes Verkehrsangebot ist für das Ruhrgebiet von besonderer Bedeutung.

Trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten Weiterentwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs wird auch zukünftig ein großer Anteil des Berufs-, Wirtschafts-, Einkaufs- und Freizeitverkehrs mit dem eigenen Fahrzeug abgewickelt werden. Auch unter dem Aspekt der Emissionsreduzierung gilt im Zuge aller verkehrsplanerischen und verkehrssteuernden Maßnahmen das Ziel, einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss anzustreben. Die bewusste Herbeiführung von Verkehrswiderständen im Individualverkehr, etwa mit der Zielsetzung den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu forcieren, hat sich als untaugliches Instrument erwiesen. Hierzu gehört auch die bewusste Verknappung eines zentrumsnahen Parkraumangebotes. Derartige Beschränkungen und Verbote erschweren die Erreichbarkeit der innerstädtischen Einkaufs- und Versorgungszentren. Sie schwächen den innerstädtischen Einzelhandel und fördern Ansiedlungen „auf der grünen Wiese“. Dies widerspricht den geltenden städtebaulichen Zielen der Landesplanung in NRW.

Die finanziellen Mittel für den Erhalt und den bedarfsgerechten Ausbau kommunaler Verkehrsinfrastrukturen müssen gesichert und erhöht werden. Es muss außerdem Klarheit über eine Nachfolgeregelung für die kommunale Straßenfinanzierung in NRW geschaffen werden.

Die Erreichbarkeit von Innenstädten kann zudem durch ein städtisches Mobilitäts- und Verkehrsmanagement (Verkehrsleitsysteme, Mobilitätsberatung, Mobilitätsangebote wie das Job-Ticket) verbessert werden. Innovative Ansätze und Modellvorhaben sollten zeitlich begrenzt auch finanziell gefördert werden.

Münster, Kopenhagen und die Niederlande werden immer häufiger als die Vorbildstädte/Länder für einen funktionierenden Fahrradverkehr genannt. Als Alternative zum ÖPNV und MIV wird das Fahrrad und die erforderliche Radverkehrsinfrastruktur inzwischen in vielen Kommunen als Ausweg aus dem drohen Verkehrskollaps gesehen. Ohne Frage sind gesundheitsfördernde und umweltschonende Vorteile des Fahrrads vorhanden. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass mit dem Aufbau der Radverkehrsinfrastruktur nicht die wirtschaftlichen Interessen in den Hintergrund fallen. In einer Region mit knapp 5 Mio. Einwohnern kann keine nennenswerte Anzahl an produzierten und konsumierten Gütern mit dem Fahrrad transportiert werden. Es können auch nicht alle berufstätigen Pendler oder Studenten und Schüler der Region mit dem Fahrrad den Anforderungen des Alltags gerecht werden.

Die IHK Mittleres Ruhrgebiet unterstützt die Bestrebungen, den möglichen Anteil des Radverkehrs am Modal Split zu erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Freizeitverkehren und touristischen Strecken, die es bereits in der Region gibt und die sehr gut angenommen werden. Die Anbindung zu den touristischen Kernregionen NRWs wie dem Sauerland und dem Niederrhein müssen weiter auf- und ausgebaut werden.