Sitzung des IHK-Verkehrsausschusses am 14.04.2016

Jörn-Heinrich Stratmann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses (r.), Kerstin Groß und Rouven Beeck (l.) begrüßten vor der Sitzung Gastreferent Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur NRW.
© IHK Mittleres Ruhrgebiet

Druck auf Berlin und Düsseldorf

Reduzierung der Treibhausgasemissionen, Auswirkungen des E-Commerce auf den Innenstadtverkehr, neuer Bundesverkehrswegeplan 2030: Das waren die herausragenden – und viel diskutierten – Themen der Frühjahrssitzung des IHK-Verkehrsausschusses, der sich am 14. April unter Vorsitz von Jörn-Heinrich Stratmann in den Räumen der IHK in Bochum traf.

Gastreferent des Tages war Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur NRW. Er stellte dem Ausschuss die Forschungs- und Pilotvorhaben des Landes zur Verringerung von Treibhausgasemissionen durch alternative Antriebe vor. Die Europäische Union (EU) hat bekanntlich das Ziel ausgegeben, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss gerade im Verkehrsbereich einiges passieren.

Allerdings: Der Güterverkehr auf der Straße nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Experten gehen davon aus, dass sich die auf deutschen Straßen transportierte Gütermenge bis 2030 nahezu verdoppeln wird. Ändert sich nichts, werden die Emissionen des Straßengüterverkehrs deshalb nicht sinken, sondern bis 2050 um voraussichtlich 25 Prozent steigen. Gleichzeitig liegen gerade in diesem Bereich enorme Potenziale, den Schadstoffausstoß erheblich zu senken. Das Zauberwort lautet: alternative Antriebstechnologien. Wie LNG (Flüssigerdgas), Elektro, Wasserstoff. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt rechnen beispielsweise damit, dass batterie- und brennstoffzellenbetriebene Trucks zwischen 2020 und 2030 für bestimmte Transportanwendungen wettbewerbsfähig werden könnten (Lkw ab 7,5 Tonnen).

Die anschließende Diskussion zeigte: Die Unternehmen befassen sich mit diesem Thema – aber noch dominieren die Fragezeichen. Welche Hersteller setzen auf welches Antriebskonzept? Und: Wie wird die notwendige Infrastruktur aufgebaut? Die Mehrheit des Ausschusses sah sich jedenfalls in dem Gefühl bestätigt, dass unter dem Strich noch zu wenig Bewegung in diesem Thema ist – wer auch immer daran schuld sein mag: Stellen die Unternehmen nur in geringem Maße auf alternative Antriebe um, weil kein Angebot existiert, oder ist das Angebot der Hersteller, die Forschungsleistung und vor allem die Marktdurchdringung derzeit noch so gering, weil die Nachfrage der Unternehmen fehlt? Eine Frage, die der Ausschuss (noch) nicht beantworten konnte …

Im Anschluss an den Gastvortrag stellte Kerstin Groß, stellvertretende Leiterin des IHK-Geschäftsbereichs Verkehr, die Ergebnisse der Studie „Auswirkungen des eCommerce auf innerstädtische Einzelhandelsstandorte am Beispiel der Stadt Bochum“ vor, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund erstellt wurde. Ungläubiges Kopfschütteln unter den Ausschussmitgliedern rief die Information hervor, dass sich sowohl die Stadt Bochum als auch der „Beirat Mobilität“ bislang nicht konstruktiv mit den Ergebnissen und Forderungen der Studie auseinandersetzen wollen. Der IHK-Verkehrsausschuss hält es für unverzichtbar, dass das Thema „Wirtschaftsverkehr“ in der Verkehrsplanung ein stärkeres Gewicht bekommt.

Letztes großes Thema der Sitzung: Die Vorstellung der Infrastrukturprojekte aus dem Bezirk der IHK Mittleres Ruhrgebiet, die Aufnahme in den neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 gefunden haben. Rouven Beeck, Leiter des Geschäftsbereichs Industrie, Energie, Verkehr und Umwelt, skizzierte die Ausbauprojekte A 40, A 42 und A 43. Alle drei Projekte weisen einen hohen Kosten-Nutzen-Faktor auf – und finden sich deshalb im BVWP unter „Vordringlicher Bedarf-Engpassbeseitigung“ wieder. Insgesamt lösen die drei Projekte Investitionen in Höhe von mehr als 900 Millionen Euro aus.

Der Ausschuss zollte Beifall. Und machte im gleichen Atemzug deutlich, dass damit die „richtige“ Arbeit der IHK erst beginne: Die Aufnahme der Maßnahmen in den BVWP sei die eine Seite der Medaille, die zeitnahe Umsetzung die andere. Hier gelte es, den Druck auf Bund und Land aufrecht zu erhalten, um die Finanzierung zu garantieren und schnellstens für Planungsrecht zu sorgen. Dafür müsse der Landesbetrieb Straßen.NRW personell besser von der Landesregierung ausgestattet werden. Wichtig sei generell, dass die Planverfahren beschleunigt würden.

Aus diesem Grund legen die Ruhr-IHKs auch zeitnah mit einer weiteren Studie nach, die die Dringlichkeit darstellt, mit der jetzt der Fokus auf die zügige Umsetzung der Projekte gelegt wird. Der „Stresstest Straße“ zeigt, was im Ruhrgebiet – und insbesondere im mittleren Ruhrgebiet – passieren würde, falls beispielsweise Autobahnbrücken – wie die Leverkusener Brücke auf der A 1 – für Lkw gesperrt werden müssten.

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