Lieferantenerklärungen

Der Nachweis des präferenziellen Usprungs für Handelswaren erfolgt innerhalb der Europäischen Union durch die Lieferantenerklärung (nach dem Durchführungsrechtsakt (IA) zum Unionszollkodex/Annex 22-15 u. 22-16)

Nachfolgend Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen:

1. Was sind Präferenzabkommen?

Die Europäische Gemeinschaft/Europäische Union (EG/EU) * hat mit einer Reihe von Ländern (u.a. in Ost- und Südosteuropa, mit einigen Mittelmeerländern, Mexiko, Südafrika, Südkorea u.a.) sogenannte Präferenzabkommen geschlossen. In diesen Präferenzabkommen wurden Zollvergünstigungen (Präferenzen) vereinbart. Das bedeutet, dass die Einfuhr in ein Land, mit dem ein solches Abkommen abgeschlossen wurde, zollfrei oder zumindest zollermäßigt erfolgen kann, sofern die Waren bestimmte Ursprungsregeln erfüllen, die in dem Präferenzabkommen festgelegt sind.

Als Nachweis darüber, dass die Waren diese Ursprungsregeln erfüllen, müssen bei der Einfuhr Präferenznachweise (Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder EUR-MED oder Ursprungserklärung auf der Rechnung) vorgelegt werden.

2. Was ist eine Lieferantenerklärung?

Grundsätzlich ist zwischen Lieferantenerklärungen für Waren mit Präferenzursprungs-eigenschaft und Lieferantenerklärungen für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft zu unterscheiden. 

Eine Lieferantenerklärung für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft ist eine Erklärung eines Lieferanten über den präferenzrechtlichen Ursprung der von ihm gelieferten Waren. Sie dient als Nachweis bei der Beantragung oder Ausstellung eines Präferenznachweises (Fragen 1 und 3). Sie kann darüber hinaus als Nachweis bei der Beantragung eines Ursprungszeugnisses verwendet werden (Frage 17).

Eine Lieferantenerklärung für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft ist eine Erklärung eines Lieferanten über Be- und Verarbeitungen, die an den von ihm gelieferten Waren in der EG/EU vorgenommen wurden, aber für sich genommen noch nicht ursprungsbegründend sind. Sie dient in der Regel als Vorpapier für die Ausstellung einer Lieferantenerklärung für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft bzw. als Nachweis für die Beantragung oder Ausstellung eines Präferenznachweises (Frage 13).

Bei der Mehrzahl der in der Praxis ausgestellten Lieferantenerklärungen handelt es sich um Lieferantenerklärungen für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft. Lieferantenerklärungen für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft werden nur in ganz bestimmten Fällen ausgestellt (Frage 13). Aus diesem Grund konzentrieren sich die Ausführungen in diesem Merkblatt auf Lieferantenerklärungen für Waren mit Ursprungseigenschaft.

3. Wozu dient eine Lieferantenerklärung?

Eine Lieferantenerklärung dient einem Exporteur als Nachweis bei der Beantragung oder Ausstellung eines Präferenznachweises (Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder EUR-MED oder Ursprungserklärung auf der Rechnung) (Frage 1).

Beantragt der Exporteur eine Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder EUR-MED bzw. stellt er eine Ursprungserklärung aus, so trägt er die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Angaben über den präferenzrechtlichen Ursprung der Waren. Er ist also verpflichtet, den präferenzrechtlichen Ursprung der Waren nach den Ursprungsregeln, die in dem Präferenzabkommen zwischen der EG/EU und dem betreffenden Einfuhrland festgelegt sind, zu prüfen und zu dokumentieren (Frage 11). Diese Prüfung erstreckt sich auf alle Waren, die er exportieren möchte, d.h. sowohl auf Waren, die er im eigenen Betrieb in der EG/EU be- oder verarbeitet hat, als auch auf reine Handelswaren.

Um diese Prüfung zu erleichtern, kann der Exporteur von seinen Lieferanten Lieferantenerklärungen als Nachweise über den präferenzrechtlich Ursprung der von ihnen gelieferten Waren anfordern.

4. Was ist der Vorteil einer Lieferantenerklärung und welche Sorgfaltspflichten sind damit verbunden?

Der Vorteil einer Lieferantenerklärung besteht darin, dass sie von dem Unternehmen in eigener Verantwortung und ohne behördliche Mitwirkung ausgestellt werden kann. Aus diesem Umstand ergeben sich aber auch besondere Sorgfaltspflichten (Frage 15).

Die Zollbehörden können die Richtigkeit einer Lieferantenerklärung jederzeit überprüfen und alle dafür notwendigen Nachweise verlangen. Dazu gehört die Vorlage eines Auskunftsblatts INF 4, das der Lieferant bei seiner zuständigen Zollstelle beantragen muss.

5. Wann benötigt ein Exporteur (k)eine Lieferantenerklärung?

Ein Exporteur benötigt immer dann keine Lieferantenerklärung, wenn er die Waren, die er exportieren möchte, im eigenen Betrieb in der EG/EU vollständig gewonnen oder hergestellt hat. Das wird nur selten der Fall sein, da bei der Herstellung von Waren in der Regel Vormaterialien aus anderen Betrieben verwendet werden. Ob in solchen Fällen eine Lieferantenerklärung benötigt wird, hängt von den in den Präferenzabkommen festgelegten Ursprungsregeln ab. Eine Lieferantenerklärung wird immer dann benötigt, wenn nur mit ihrer Hilfe nachgewiesen werden kann, dass die in den Präferenzabkommen festgelegten Ursprungsregeln erfüllt werden.

Zwingend notwendig ist eine Lieferantenerklärung dagegen, wenn der Exporteur die Waren selbst nicht be- oder verarbeitet hat, sondern es sich um reine Handelswaren handelt.

6. Sind Lieferanten zur Ausstellung einer Lieferantenerklärung verpflichtet?

Nein, zumindest nicht gesetzlich. Bei entsprechender Vereinbarung kann aber eine vertragliche Pflicht bestehen. Es empfiehlt sich daher, die Pflicht des Lieferanten zur Ausstellung von Lieferantenerklärungen im Kaufvertrag festzulegen.

7. In welchen Ländern dürfen Lieferantenerklärungen ausgestellt werden?

Der Aussteller einer Lieferantenerklärung muss seinen Sitz in der Bundesrepublik Deutschland oder einem anderen EG/EU-Mitgliedstaat haben. Lieferantenerklärungen, die z.B. in der Schweiz ausgestellt werden, sind ungültig. Auch der Empfänger einer Lieferantenerklärung muss seinen Sitz in der EG/EU haben.

8. Welcher Ursprung darf in einer Lieferantenerklärung bescheinigt werden?

Grundsätzlich darf in Lieferantenerklärungen nur EG/EU-Ursprung oder der Ursprung in einem der EG/EU-Mitgliedstaaten bescheinigt werden. Ausnahmen gelten für Waren, die zuvor mit einem Präferenznachweis aus einem Land eingeführt wurden, mit dem die EG/EU ein Präferenzabkommen abgeschlossen hat. In diesen Fällen muss in der Lieferantenerklärung das im entsprechenden Präferenznachweis angegebene Ursprungsland vermerkt sein.

Allerdings macht die Bescheinigung eines anderen Ursprungs als EG/EU-Ursprung nur im Handel mit den Ländern der Paneuropäischen Kumulierungszone (EG/EU, EFTA, Türkei) Sinn, da diese Länder untereinander gleichlautende Präferenzabkommen abgeschlossen haben und so einen einheitlichen Präferenzraum bilden. Gleiches gilt für die Länder der Pan-Euro-Med-Zone (EG/EU, EFTA, Türkei sowie Algerien, Ägypten, Faröer, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, Syrien, Tunesien, Westjordanland und Gazastreifen), sofern sie die entsprechenden Abkommen untereinander bereits abgeschlossen haben und anwenden.

Im Handel mit anderen Ländern macht eine solche Bescheinigung keinen Sinn, da zwischen dem Land, in dem die Waren ihren Ursprung haben (z.B. Mexico), und dem Einfuhrland (z.B. Südafrika) kein Präferenzabkommen besteht. Dementsprechend werden für diese Waren keine Zollvergünstigungen gewährt, Präferenznachweise und Lieferantenerklärungen sind daher nicht notwendig.

9. Welche Länder kann ich auf der Lieferantenerklärung als präferenzberechtigte Empfangsländer aufführen?

Grundsätzlich können alle Länder aufgeführt werden, mit denen die EG/EU gegenseitige Präferenzabkommen abgeschlossen hat. Nur diese Länder gewähren für Waren mit EG/EU-Ursprung bei Vorlage eines Präferenznachweises Zollvergünstigungen. Daher sind auch nur im Handel mit diesen Ländern Lieferantenerklärungen notwendig. Eine Übersicht über die Länder, mit denen die EG/U Präferenzabkommen abgeschlossen hat, finden Sie unter www.wup.zoll.de (Übersichten / Präferenzregelungen der EG/EU).

Für jedes Land, das in der Lieferantenerklärung aufgeführt wird, muss allerdings geprüft werden, ob die Waren die in dem jeweiligen Präferenzabkommen mit der EG/EU festgelegten Ursprungsregeln erfüllen. Denn führt ein Lieferant auf einer Lieferantenerklärung ein bestimmtes Land auf, so bestätigt er damit, dass die von ihm gelieferten Waren den Ursprungsregeln für den Präferenzverkehr mit diesem Land entsprechen. Da die Präferenzabkommen, die die EG/EU abgeschlossen hat, nicht in allen Punkten deckungsgleich sind, kann es hier bei einzelnen Ländern zu Abweichungen kommen.

Erfüllen die Waren die Ursprungsregeln in einem bestimmten Abkommen nicht, darf das entsprechende Land auf der Lieferantenerklärung auch nicht aufgeführt werden.

10. Was ist bei der Ausstellung einer Lieferantenerklärung formal zu beachten?

Rechtsgrundlage für die Ausstellung einer Lieferantenerklärung ist der Durchführungsrechtsakt (IA) zum Unionszollkodex/Annex 22-15 u. 22-16)

Dort wird der Wortlaut der Lieferantenerklärungen verbindlich festgelegt. Selbst bei kleineren sprachlichen Abweichungen kann es dazu kommen, dass die Lieferantenerklärung nicht anerkannt wird. Es ist daher empfehlenswert, sich wörtlich und nicht nur sinngemäß an den Wortlaut zu halten.

Nicht festgelegt ist dagegen die Pflicht zur Verwendung von Vordrucken. Eine Lieferantenerklärung kann für jede Sendung auf der entsprechenden Rechnung, einem zur Sendung gehörenden Lieferschein oder auf einem sonstigen Handelspapier ausgestellt werden. Zu den sonstigen Handelspapieren gehören auch die Vordrucke, die bei den IHKs oder im Formularhandel erhältlich sind. Wird ein solches Papier verwendet, muss die zugehörige Ware eindeutig identifiziert werden können. Die Angabe der Zolltarifnummer ist hierzu nicht unbedingt erforderlich.

Aus der Lieferantenerklärung muss der Aussteller der Erklärung klar hervorgehen. Bei einer Langzeit-Lieferantenerklärung muss auch der Empfänger klar hervorgehen. Lieferantenerklärungen müssen grundsätzlich handschriftlich unterschrieben sein. Werden Lieferantenerklärungen am Computer erstellt, können sie auch ohne Unterschrift anerkannt werden. In diesem Fall muss jedoch die verantwortliche natürliche oder juristische Person namentlich genannt sein und der Lieferant muss sich dem Kunden gegenüber schriftlich verpflichten, die volle Haftung für jede abgegebene Lieferantenerklärung zu übernehmen.

Bei der Nennung der Länder, für die die Lieferantenerklärung gilt, können sowohl die offiziellen Länderbezeichnungen als auch die zweistelligen ISO-Alpha-Codes verwendet werden. Sammelbezeichnungen wie z.B. „EFTA“ oder „MOEL“ sind dagegen unzulässig. Da es keinen ISO-Ländercode für die Europäische Gemeinschaft gibt und die Abkürzung „EG“ dem ISO-Ländercode für Ägypten entspricht, kann es hier – insbesondere mit Blick auf die Pan-Euro-Med-Kumulationszone – zu Verwechslungen kommen. Deshalb sollte die EG/EU entweder als „Europäische Gemeinschaft/Europäische Union“ ausgeschrieben oder die Abkürzung „EEC/EU“ (European Economic Community/European Union) benutzt werden. Die Abkürzung „EC“ entspricht dem ISO-Ländercode für Ecuador und sollte ebenfalls nicht verwendet werden.

Lieferantenerklärungen können auch nachträglich ausgestellt werden, d.h. sie sind auch dann anzuerkennen, wenn sie nach bereits erfolgter Lieferung ausgefertigt werden.

Nicht anerkannt werden sogenannte „Ausschluss-Klauseln“ in Langzeit-Lieferantenerklärungen, die auf abweichende Angaben über den präferenzrechtlichen Ursprung der Waren in später auszustellenden Rechnungen verweisen. Der präferenzielle Ursprung der Waren muss der Lieferantenerklärung (oder einer Anlage) unmittelbar entnommen werden können.

11. Was sind Ursprungserzeugnisse der EG/EU?

Die genauen Regeln, nach denen der präferenzrechtliche Ursprung bestimmt wird, sind in den Präferenzabkommen der EG/EU festgelegt. Grundsätzlich gilt: Ursprungserzeugnisse der EG/EU sind Erzeugnisse, die vollständig in der EG/EU gewonnen oder hergestellt worden sind. Dazu gehören Erzeugnisse, bei deren Herstellung ausschließlich Vormaterialien aus EG/EU-Mitgliedstaaten verwendet wurden. Werden bei der Herstellung Vormaterialien aus Drittländern verwendet, so müssen die Erzeugnisse ausreichend be- oder verarbeitet worden sein. D.h. die Waren müssen die in den Ursprungsregeln aufgeführten Bearbeitungsvorgänge erfüllen. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, darf keine Lieferantenerklärung für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft ausgestellt werden.

Eine Lieferantenerklärung für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft kann nur in ganz bestimmten Fällen ausgestellt werden (Frage 13).

12. Welche Ursprungsregeln gelten und wo sind

Die Ursprungsregeln sind in den jeweiligen Präferenzabkommen enthalten. Die Zollverwaltung stellt seit dem 1. April 2006 mit der Anwendung „Warenursprung und Präferenzen online“ (WuP online) ein neues Auskunftssystem zur Verfügung. Unter www.wup.zoll.de (Gegenüberstellung der Verarbeitungslisten) können die Ursprungregeln für einzelne Länder eingesehen oder für mehrere Länder gegenübergestellt werden. In der Lieferantenerklärung dürfen nur die präferenzbegünstigten Länder aufgeführt werden, für die die Ursprungsregeln geprüft und eingehalten wurden.

13. Wozu dienen „Lieferantenerklärungen ohne Präferenzursprungseigenschaft“?

Lieferantenerklärungen für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft dienen als Nachweise bei arbeitsteiligen Prozessen (z.B. im Textilbereich), bei denen die einzelnen Arbeitsschritte für sich genommen noch nicht ausreichen, um den EG/EU-Ursprung zu erlangen, die Summe der Arbeitsschritte allerdings eine ausreichende Be- oder Verarbeitung nach den jeweiligen Ursprungsregeln darstellt (Frage 11).

Damit in einem solchen Fall am Ende des Arbeitsprozesses eine Lieferantenerklärung für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft ausgestellt werden kann, muss jeder Betrieb, der einen Arbeitsschritt vornimmt, über den Umfang der vorangegangenen Be- oder Verarbeitungen informiert werden. Diesem Zweck dient die Lieferantenerklärung für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft.

Lieferantenerklärungen für Waren ohne Präferenzursprungseigenschaft sind keine „Ersatz“-Ursprungsnachweise für Waren aus Ländern, mit denen die EG/EU kein Präferenzabkommen abgeschlossen hat, oder – außer in den oben aufgeführten Fällen – für Waren, die die in den Präferenzabkommen festgelegten Ursprungsregeln nicht erfüllen. Als Ursprungsnachweis für Waren aus Ländern, mit denen die EG/EU kein Präferenzabkommen abgeschlossen hat, dient das Ursprungszeugnis.

14. Was sind „Langzeit-Lieferantenerklärungen“?

Liefert ein Lieferant einem bestimmten Käufer regelmäßig Waren, deren präferenzrechtlicher Ursprung sich über einen längeren Zeitraum voraussichtlich nicht ändern wird, kann er eine „Langzeit-Lieferantenerklärung“ ausstellen. Bei einer Langzeit-Lieferantenerklärung handelt es sich um eine einmalige Erklärung, die auch weitere Lieferungen derselben Ware abdeckt und für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren ab dem Zeitpunkt der Ausstellung gültig ist. Der Lieferant verpflichtet sich in einer Langzeit-Lieferantenerklärung, den Käufer umgehend zu informieren, sobald die Lieferantenerklärung für die gelieferten Waren nicht mehr gilt.

15. Welche Konsequenzen können sich für den Aussteller einer Lieferantenerklärung ergeben, wenn der dort bescheinigte Ursprung falsch ist?

Zu unterscheiden ist zwischen steuer-, straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen. Steuerrechtlich kann eine nicht zutreffende Ursprungsangabe in einer Lieferantenerklärung dazu führen, dass ein ausgestellter Präferenznachweis zurückgenommen wird und die Waren im Einfuhrland nachträglich verzollt werden müssen (Frage 1). Strafrechtlich kann sich – je nachdem – eine Mitwirkungshandlung an einer vom Einführer, d.h. vom Käufer, begangenen Steuerhinterziehung, leichtfertigen Steuerverkürzung oder Steuergefährdung ergeben, wenn im Einfuhrland die Präferenz nachträglich verweigert und der Einführer zur Zollnachzahlung veranlagt wird.

Die deutsche „Abgabenordnung“ sieht deshalb vor, dass Zuwiderhandlungen im Zusammenhang mit Präferenznachweisen als „Ordnungswidrigkeit“ oder als „Straftat“ geahndet werden können. Eine leichtfertige Steuerverkürzung oder Steuergefährdung wird als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet, die sowohl gegen den festgesetzt werden kann, der den Präferenznachweis unterschrieben hat, als auch gegen den Vorgesetzten oder die „Firma“ als juristische Person. Schwere Fälle, die als kriminelles Unrecht angesehen werden müssen, werden als Straftat durch Gerichtsurteil mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren geahndet.

Zivilrechtlich kann die Erklärung, wonach die gelieferten Waren einen bestimmten präferenzrechtlichen Ursprung haben, als „zugesicherte Eigenschaft“ gewertet werden. Ist die Ursprungsangabe falsch und erleidet der Käufer hierdurch einen Schaden, so ist der Exporteur gegebenenfalls ersatzpflichtig. Muss der Käufer in dem Einfuhrland den für Drittlandswaren geltenden vollen Zollsatz zahlen, kann er den Exporteur hierfür in Regress nehmen. Darüber hinaus wird der Käufer möglicherweise als Kunde verloren gehen.

16. Wie lange müssen Lieferantenerklärungen aufbewahrt werden?

Ausgefertigte aber auch erhaltene Lieferantenerklärungen sind 6 Jahre bzw. als Text in einer Rechnung 10 Jahre aufzubewahren. 

17. Werden Lieferantenerklärungen auch als Nachweise für die Ausstellung von Ursprungszeugnissen akzeptiert?

Ja, sofern keine Kumulierung angewendet wurde. Obwohl für die Ausstellung von Ursprungszeugnissen andere Ursprungsregeln gelten (nicht präferenzielles Ursprungsrecht), werden Lieferantenerklärungen als Nachweise akzeptiert. Diese praxisnahe Regelung dient der Erleichterung des Außenwirtschaftsverkehrs. Exporteure, die eine Lieferantenerklärung als Nachweis für die Ausstellung eines Ursprungszeugnisses verwenden wollen, müssen allerdings darauf achten, dass in der betreffenden Lieferantenerklärung das Ursprungsland genannt wird, das auch in dem Ursprungszeugnis angegeben wird. Wird in der Lieferantenerklärung nur EG/EU-Ursprung bescheinigt, kann auch im Ursprungszeugnis nur die EG/EU als Ursprungsland bescheinigt werden. (Frage 8)

Umgekehrt sind Ursprungzeugnisse allerdings keine zulässigen Nachweise für die Ausstellung von Lieferantenerklärungen, da die präferenzrechtlichen Ursprungsregeln im allgemeinen strenger sind als die nichtpräferenziellen Ursprungsregeln.

18. Was ändert sich durch die Pan-Euro-Med-Zone?

Bei Ausfuhren in Länder der neuen Paneuropa-Mittelmeer-Kumulierungszone (Pan-Euro-Med-Zone), mit denen die EG/EU bereits Präferenzabkommen abgeschlossen hat, deren Ursprungsprotokolle denen des Pan-Euro-Med-Protokolls entsprechen, können statt der bisherigen „klassischen“ Präferenznachweise – Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 und „einfache“ Ursprungserklärung auf der Rechnung – auch die neuen Präferenznachweise EUR-MED – Warenverkehrsbescheinigung EUR-MED oder Ursprungserklärung auf der Rechnung EUR-MED – ausgestellt werden. In diesen neuen Präferenznachweisen sind Angaben zur Anwendung der Pan-Euro-Med-Kumulierung zwingend vorgeschrieben.

Soll die Lieferantenerklärung als Nachweis für die Ausstellung der neuen Präferenznachweise EUR-MED verwendet werden, ist deshalb ein zusätzlicher Kumulierungsvermerk notwendig. Die Angaben in der Lieferantenerklärung in der herkömmlichen Form sind in diesem Fall nicht ausreichend. Der Lieferant muss in die Lieferantenerklärung folgenden Kumulierungsvermerk einfügen:

Ich erkläre, dass:

 

o Kumulierung angewendet wurde mit (Name des Landes/der Länder)

   Cumulation applied with (name of the country/countries)

 

o  Keine Kumulierung angewendet wurde

    No cumulation applied

 

Die Erklärung kann auf der Lieferantenerklärung oder aber nachträglich abgegeben werden, wenn sie einer Lieferantenerklärung eindeutig zugeordnet werden kann (z.B. bei Langzeit-Lieferantenerklärungen). Fehlt eine derartige Erklärung, kann für die Waren kein Präferenznachweis EUR-MED ausgestellt werden.

Soll die Lieferantenerklärung als Nachweis für die Ausstellung eines „klassischen“ Präferenznachweises verwendet werden, ist kein Kumulierungsvermerk notwendig, da für die Ausstellung eines „klassischen“ Präferenznachweises keine Angaben zur Anwendung der Pan-Euro-Med-Kumulierung vorgeschrieben sind.

Ist der Verwendungszweck einer Lieferantenerklärung bei ihrer Ausstellung nicht bekannt, empfiehlt sich eine Rückfrage beim Kunden. Möchten Sie Ihrem Kunden sämtliche Möglichkeiten offen lassen, sollten Sie den Kumulierungsvermerk auf jeden Fall einfügen.

 * In diesem Merkblatt wird die Abkürzung EG für die Europäische Gemeinschaft verwendet. EG ist jedoch auch der offizielle Iso-Alpha-Code für Ägypten. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Sie in Präferenznachweisen und Lieferantenerklärungen immer entweder die volle Bezeichnung „Europäische Gemeinschaft“ oder aber eine der Abkürzungen EEC, CE oder CEE verwenden (Frage 10).

Weitere Informationen zu Lieferantenerkärungen finden Sie auf der Homepage der Zollverwaltung.