28.01.2012 - Pressemitteilung 11/2012

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hielt die Festrede beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet. (Foto: Lichtblick/Wiciok)

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hielt die Festrede beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet. (Foto: Lichtblick/Wiciok)

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck beim Jahresempfang der IHK

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat auf dem Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet am Freitagabend in Bochum eine Abkehr von der „Kirchturmpolitik“ im Ruhrgebiet gefordert, die herausragende Bedeutung des Mittelstandes für die Gesellschaft betont, die Frage nach sicherer Energie zur „globalen Schlüsselfrage für nachhaltiges Wachstum im 21. Jahrhundert“ erklärt und die Menschen dazu aufgefordert, nicht wie „das Kaninchen vor der Schlange“ auf das Krisenszenario dieser Tage zu blicken, sondern sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen und die Realität selbst zu gestalten – „mutig, weitsichtig und entschlossen“.

Vor über 800 Gästen aus Unternehmen, der Politik, der Wissenschaft und der Verwaltung betonte er die Verantwortung für den Menschen – in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Und machte mit Verweis auf die Katholische Soziallehre deutlich, dass Unternehmertum und Allgemeinwohl kein Gegensatzpaar seien. „Der Mensch steht im Mittelpunkt und es geht um die Gestaltung einer Gesellschaftsordnung, die freie Arbeit, unternehmerisches Handeln sowie gesellschaftliche Beteiligung zugleich ermöglicht.“ Ein Unternehmen sei eben auch eine „Gemeinschaft von Menschen“. Deshalb sei es wichtig, die „Soziale Marktwirtschaft“ in unserem Land zu erneuern. Es gehe dabei insbesondere um „eine breite Debatte über Werte und Tugenden“. Unter dem Beifall der Zuhörer zitierte der Ruhrbischof den Ökonom Walter Eucken, einen der Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft, mit den Worten: „Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.“

Die mittelständischen Familienunternehmen fühlten sich der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet, würden in den Beschäftigten Menschen sehen und seien damit „Garant unseres Gemeinwohls“. Ohne Opel und Thyssen-Krupp Nirosta beim Namen zu nennen, formulierte Dr. Overbeck, das Ziel der „Wahrung der Würde des Menschen“ sei die Grundlage jeder „sozialethischen Kommentierung von unternehmerischen Entscheidungen, sei es in der Standortfrage internationaler Automobilhersteller oder hinsichtlich bestimmter Verkaufsabsichten von einzelnen Sparten weltweit operierender Großkonzerne“.

Obwohl selbst im Initiativkreis Ruhrgebiet engagiert, forderte der Ruhrbischof dringend dazu auf, „nicht nur auf die Region des Ruhrgebietes bezogen zu denken“. Die wirtschaftliche Globalisierung mache es aus seiner Sicht unverzichtbar, das Ruhrgebiet, das Rheinland „und die anderen Regionen, die an unsere Region grenzen“, als Einheit zu begreifen – „sonst werden wir unsere Probleme nicht lösen können.“ Er habe die „erstaunliche Erfahrung“ gemacht, dass „viele Leistungs- und Entscheidungsträger gerne im Ruhrgebiet ihr Brot verdienen, aber nicht dort kaufen und essen und auch nicht dort wohnen wollen“. Hier gelte es für alle Kommunen, stadtplanerisch zu reagieren, um die Attraktivität des Ruhrgebiets zu erhöhen.

Abschließend begrüßte Dr. Overbeck nochmals die Entscheidung der Politik, aus der Kernkraft auszusteigen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das Ruhrgebiet „auch zukünftig von energieintensiven Industriearbeitsplätzen abhängig“ sein werde, forderte er einen „breiten Energiemix“. Dabei würden die konventionellen Energieträger die Basis der Energieversorgung legen, die Produktion und die Transportinfrastruktur regenerativer Energien müssten zügig ausgebaut werden. „Sichere und wettbewerbsfähige Energie zu bezahlbaren Preisen bleibt elementare Voraussetzung für Produktion, Wachstum, Arbeitsplätze und damit für die langfristige Erhaltung unseres Wohlstandsniveaus in Deutschland“, so der Ruhrbischof.

IHK-Präsident Jürgen Fiege hatte zuvor seine bewusst kurz gehaltene Begrüßungsrede zu einem Blick nach vorne genutzt – und einen freundlichen Appell an den voll besetzten Saal gerichtet: „Lasst uns aufeinander zugehen, lasst uns miteinander und nicht übereinander reden, lasst uns sagen, was wir wirklich denken, und lasst uns ohne Eitelkeiten die besten Lösungen suchen.“ Denn jeder habe seine Verantwortung bestmöglich zu tragen – für die Stadt, für die Region, für die Menschen. Aus der Vielzahl der Ziele, die sich die IHK Mittleres Ruhrgebiet als sogenannter „Federführer 2012“ unter den Ruhrgebiets-IHKs gesetzt hat, wählte Fiege ein herausragendes Beispiel aus: die Absicht, Ende dieses Jahres zu einem „Wissensgipfel“ nach Bochum einzuladen. Damit will die IHK sowohl die Bedeutung der Wissenschafts- und Hochschulregion Mittleres Ruhrgebiet mit ihren acht Hochschulen betonen als auch die Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft befördern.

Für den Ruhrbischof hatte der IHK-Präsident ein Lob parat: Dr. Overbeck sei ein „Mann der Kommunikation“, der sich auch den „Herausforderungen stellt“, die sich durch die Veränderungsprozesse in der Kirche ergeben. Der Ruhrbischof quittierte dieses Lob mit einem Lächeln …

Jörg A. Linden
Pressesprecher

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