29.01.2016 - Pressemitteilung

Die Wirtschaft im Ruhrgebiet wird internationaler

Die Ruhrwirtschaft wird internationaler: Von etwas mehr als 243.000 IHK-zugehörigen Unternehmen im Ruhrgebiet sind fast 25.600 ausländischer Herkunft. „Das bedeutet, dass bereits mehr als jeder 10. IHK-zugehörige Betrieb im Ruhrgebiet von einem ausländischen Mitbürger gegründet wurde oder sich im ausländischen Mehrheitsbesitz befindet“, fasste Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Essen, das zentrale Ergebnis bei der Vorstellung der aktuellen Untersuchung „Ruhrwirtschaft International 2015/16 – Ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet“ zusammen. Die Untersuchung wurde von den sechs IHKs im Ruhrgebiet – das sind die IHKs Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Mittleres Ruhrgebiet und Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Region) – durchgeführt.

Nach 2008 haben die IHKs erneut den Bestand der ausländischen Unternehmerschaft in Handel, Dienstleistungen und Industrie analysiert. Erfasst wurden Betriebe, die in das Handelsregister (HR) eingetragen sind oder sich als Kleingewerbetreibende (KGT) angemeldet haben. Interessant dabei: Während die Gesamtzahl der IHK-zugehörigen Unternehmen im Ruhrgebiet seit 2008 nur um ca. drei Prozent gestiegen ist, hat die Anzahl ausländischer Unternehmen im selben Zeitraum um nahezu 50 Prozent zugenommen. Dabei ist der Anteil der ausländischen HR-Unternehmen überproportional um rund 90 Prozent auf 3.030 gestiegen, die Zahl der Kleingewerbetreibenden „nur“ um 45 Prozent auf 22.568.

Mehr als ein Viertel der ausländischen KGT haben einen türkischen Ursprung (6.306) und gründen meist im Einzelhandel. An zweiter Stelle stehen – wie 2008 – KGT aus Polen (3.995), die am häufigsten im Baugewerbe tätig sind.

Bei den HR-Unternehmen ergibt sich ein anderes Bild. Wie bereits 2008 belegt das Königreich der Niederlande mit einer Anzahl von 574 Betrieben die Spitzenposition bei den Herkunftsländern. Vom dritten auf den zweiten Platz vorgerückt ist die Schweiz (257). Das „Siegertreppchen“ komplettieren die USA (248), die sich um zwei Plätze verbessern konnten.

„Die Untersuchungsergebnisse sind ein positives Signal. Die Bedeutung ausländischer Unternehmen für das Ruhrgebiet steigt. Ob als ausländischer Mitbürger mit einem kleineren Betrieb oder als multinationales Unternehmen: Nachhaltiges Engagement leistet einen wertvollen Beitrag zum Wohlstand unserer Region und seiner zukunftsorientierten Ausgestaltung“, so Jutta Kruft-Lohrengel über die Internationalisierung im Ruhrgebiet.

Schweiz und Türkei

In den Städten Bochum, Herne, Witten und Hattingen sind aktuell 225 Firmen ins Handelsregister eingetragen, die sich im Besitz von Ausländern befinden. Die Eigentümer dieser Firmen stammen aus insgesamt 46 Ländern und sie beschäftigen zusammen 8.899 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aufgrund der Besitzverhältnisse der Deutschen Edelstahlwerke in Witten ist die Schweiz mit 3.763 Beschäftigten das wichtigste „Arbeitgeberland“ für den IHK-Bezirk Mittleres Ruhrgebiet. Auf Platz 2 der Beschäftigungseffekte ausländischer Direktinvestitionen liegt Großbritannien mit 3.156 Mitarbeitenden, was überwiegend der Verlegung der Europazentrale von British Petrol (bp) nach Bochum zu verdanken ist. Weitere wichtige Beschäftigungseffekte gehen von Investitionen mit Ursprung in Frankreich (540), USA (405), Italien (320), Schweden (135) und Südkorea (125) aus.

Gemessen an der Anzahl der Firmen mit ausländischen Wurzeln führen die Niederlande (29), die damit gegenüber 2008 die Türkei vom Spitzenplatz verdrängt haben. Den 2. Platz teilen sich Italien und Großbritannien (18), gefolgt von Frankreich (17) sowie auf Platz 5 die USA und die Schweiz (jeweils 15). Die Türkei steht 2015 als Herkunftsland ausländischer Investitionen mit 13 Firmen auf Platz 7.

2.725 Kleingewerbetreibende im mittleren Ruhrgebiet sind Ausländer und sie stammen aus 38 verschiedenen Ländern. Hier stehen die Gewerbetreibenden aus der Türkei mit einer Firmenanzahl von 746 unangefochten an der Spitze. Auf Platz 2 liegt Polen mit 285 angemeldeten Gewerben gefolgt von Italien (168) und Griechenland mit 116 Betrieben. Schwerpunkte türkischstämmiger Geschäftstätigkeiten sind der Handel mit Kraftfahrzeugen, Nahrungsmitteln, Textilien sowie der Betrieb von Restaurants und Imbissstuben. Polnische Kleingewerbetreibende sind insbesondere in den Bereichen Akustik- und Trockenbau, aber auch in der hauswirtschaftlichen Versorgung tätig. Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit italienischer und griechischer Kleingewerbetreibenden liegt ganz überwiegend im Betrieb von Restaurants mit herkömmlicher Bedienung und von Imbissstuben.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
Ruhrwirtschaft_International_2015-2016 [pdf, 2,91 MB]

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