19.10.2016 - Pressemitteilung 68/2016 der IHK Mittleres Ruhrgebiet

Gedämpfte Stimmung in der Industrie

Präsentierten den 97. Ruhrlagebericht: Stefan Postert, Geschäftsbereichsleiter der IHK Mittleres Ruhrgebiet; Lars Baumgürtel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Stadt Gelsenkirchen; Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen; Dr. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Essen (v. l.).

Präsentierten den 97. Ruhrlagebericht: Stefan Postert, Geschäftsbereichsleiter der IHK Mittleres Ruhrgebiet; Lars Baumgürtel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Stadt Gelsenkirchen; Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen; Dr. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Essen (v. l.).

Die konjunkturelle Belebung im mittleren Ruhrgebiet setzt sich fort. In Teilbereichen hat sich das Wachstumstempo im Vergleich zum Jahresbeginn aber verlangsamt. Dies stellt die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet aufgrund ihrer aktuellen Unternehmensbefragung fest, an der sich über 220 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe aus dem mittleren Ruhrgebiet beteiligt haben. „Es geht weiter aufwärts. Aber mit Hindernissen“, kommentiert Christoph Burghaus, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK.

Getragen wird die Konjunktur von der Binnennachfrage; der Export zeigt dagegen vermehrt Schwächen. Aufgrund der ungünstigeren Bedingungen im Auslandsgeschäft verspüren vor allem die Industrieunternehmen stärkeren Gegenwind. Das verhaltene Wachstum in China, die Nachfrageschwäche in Russland und Brasilien sowie Unsicherheiten auf europäischen Absatzmärkten wie in der Türkei und in Großbritannien hinterlassen Wirkung.

Der Handel kann sich dagegen auf eine relativ stabile Verbrauchsnachfrage verlassen, auch wenn die Geschäftsentwicklung in etwas ruhigeren Bahnen verläuft. Das Dienstleistungsgewerbe bewegt sich überwiegend weiterhin auf der Sonnenseite der Konjunktur.

Klimaindex insgesamt gestiegen

Insgesamt beurteilen 42 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, 44 Prozent als befriedigend und 14 Prozent als schlecht – Anfang des Jahres bewerteten noch 89 Prozent ihre aktuelle Lage als „gut“ oder „befriedigend“. Dagegen werden die Zukunftsaussichten jetzt etwas optimistischer eingeschätzt: 23 Prozent erwarten eine Geschäftsbelebung, nur 14 Prozent rechnen mit einer eher schlechteren Entwicklung. „Vor diesem Hintergrund ist der Konjunkturklimaindex gegenüber dem Jahresbeginn sogar von 118 auf 119 Punkte leicht gestiegen“, so Burghaus.

Die positive Grundstimmung wird durch die Investitionsabsichten und Beschäftigungsplanungen in Teilen bestätigt. Insbesondere das Dienstleistungsgewerbe will in den nächsten zwölf Monaten mehr investieren und mehr Personal einstellen.

Allerdings: Nicht überall läuft der Konjunkturmotor derzeit rund. Das insgesamt freundliche Gesamtbild überlagert Probleme in Kernbranchen und schwierige Firmenentwicklungen. Hinzu kommen wirtschaftspolitische Unwägbarkeiten und wirtschaftliche Risiken. Nach der IHK-Umfrage macht sich jedes zweite Unternehmen Sorgen über die Inlandsnachfrage und damit über die wesentliche Stütze der Konjunktur. Sollte die private Nachfrage schwächeln, würde die Wirtschaft dies deutlich zu spüren bekommen.

Fachkräfte fehlen

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 41 Prozent als Risikofaktor herausgestellt. Während die Arbeitskosten mit 37 Prozent aller Nennungen wie üblich einen der vorderen Ränge belegen, wird inzwischen das Risiko „Fachkräftemangel“ mit 38 Prozent sogar noch etwas höher bewertet. Vor allem im Dienstleistungsgewerbe wird die Fachkräfteproblematik immer brisanter.

In der Industrie verzeichnen aktuell 34 Prozent der Unternehmen eine gute und 24 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit ist der positive Saldo im Vergleich zum Jahresbeginn von 19 Punkten auf zehn Punkte geschrumpft. Die gedämpfte Stimmung spiegelt sich in der Tendenz der Auftragseingänge sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland wider. Vor allem das Auslandsgeschäft kommt nicht auf Touren. In einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld dürfte sich der Beschäftigungsstand tendenziell weiter verringern, zeigt die Befragung.

Die andauernde Konsumfreudigkeit sorgt im Handel für Zufriedenheit. 32 Prozent der Unternehmen registrieren eine gute Geschäftssituation, 17 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Lage als schlecht. Ihre Perspektiven schätzen die Händler vorsichtig optimistisch ein: 24 Prozent erwarten einen besseren Geschäftsverlauf in den nächsten zwölf Monaten, 17 Prozent halten eine Abschwächung für wahrscheinlich.

Das Dienstleistungsgewerbe setzt seinen konjunkturellen Höhenflug fort. Jedes zweite Unternehmen meldet weiterhin eine ausgesprochen positive Geschäftsentwicklung. Den 52 Prozent mit guter Lagebeurteilung stehen sieben Prozent mit schlechter Bewertung gegenüber – das entspricht der Bewertung zum Jahresbeginn. Die Perspektiven sind günstig, die Erwartungen entsprechend hoch. Steigende Umsätze bestärken die Dienstleister in ihrem Optimismus.

Den 97. Ruhrlagebericht finden Sie hier.

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