18.10.2017 - Pressemitteilung der Ruhr-IHKs

Viel Konsum und mehr Export

Der Ausblick ist sonnig: Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund; Eric Weik, Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet; Wilfried Neuhaus-Galladé, Präsident IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen, bei der Vorstellung des 99. Ruhrlageberichts am 18. Oktober 2017. (Foto: Volker Wiciok/Lichtblick)

Der Ausblick ist sonnig: Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund; Eric Weik, Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet; Wilfried Neuhaus-Galladé, Präsident IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen, bei der Vorstellung des 99. Ruhrlageberichts am 18. Oktober 2017. (Foto: Volker Wiciok/Lichtblick)

Die Zufriedenheit in allen Wirtschaftsbereichen ist noch ein wenig größer geworden, der Export hat seine Schwächephase der letzten Jahre überwunden – und das Ende der positiven Fahnenstange sehen die Unternehmen noch nicht erreicht: Die Geschäfts- und Stimmungslage in der Wirtschaft an der Ruhr hat sich in diesem Herbst auf einem Top-Wert eingependelt. Zu diesem Ergebnis kommen die Ruhr-IHKs nach ihrer traditionellen Herbstumfrage, an der sich mehr als 900 Unternehmen mit mehr als 143.000 Beschäftigten beteiligt haben.

93 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder befriedigend – das sind nochmals drei Prozent mehr als im Frühjahr 2017. Nicht mehr nur die Konsumhaltung der Verbraucher ist dafür verantwortlich, sondern auch der wieder anziehende Export. Das sorgt für Optimismus beim Blick nach vorn: Neun von zehn Unternehmen erwarten laut „Ruhrlagebericht“ eine gleichbleibend gute, tendenziell sogar noch bessere Geschäftsentwicklung. Dies alles sorgt dafür, dass der Konjunkturklimaindex im Herbst 2017 auf den höchsten Stand seit 2011 geklettert ist: auf 124 Punkte, nochmals zwei mehr als zum Anfang des Jahres.

Die Industrie hat in den letzten Monaten die Stimmungswende geschafft: Mittlerweile melden 52 Prozent der Unternehmen eine gute Lage, nur acht Prozent sprechen von einer schlechten Situation. Damit gibt die Industrie aktuell die beste Lagebeurteilung aller Wirtschaftsbereiche ab. Die Auftragseingänge nehmen zu, die über lange Monate vorherrschende Sorge, die weltweiten politischen Krisen könnten den Export weiter schwächen, ist weitestgehend verflogen. 32 Prozent verzeichnen wachsende Bestellungen ausländischer Kunden – ein hoher Wert. Im Zuge dieser Entwicklung ist der Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten leicht auf 84 Prozent gestiegen.

Auch der Handel lächelt zufrieden: Die Konsumbereitschaft der Verbraucher ist ungebrochen, die Umsätze sind in den letzten Monaten größer geworden. Die Geschäftslage wird als noch etwas besser eingeschätzt als im Frühjahr. Und: Immerhin 23 Prozent der Unternehmen gehen sogar von einer noch günstigeren Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten aus. Diese Zuversicht spiegelt sich nicht zuletzt in den Personalplanungen wider: Jeder fünfte Betrieb will seine Mitarbeiterzahl erhöhen.

Das Dienstleistungsgewerbe steht schon länger auf der Sonnenseite der Konjunktur: Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen nennen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage schlecht. 43 Prozent der Unternehmen erzielten höhere Erlöse, 22 Prozent der Dienstleister glauben, dass es für sie in den nächsten zwölf Monaten aufwärts geht.

Fachkräfte gesucht

Die Investitionstätigkeit nimmt langsam Fahrt auf. 28 Prozent der Unternehmen planen für die nächsten zwölf Monate höhere Investitionsausgaben im Inland – das gilt für alle Bereiche. Insbesondere in der Industrie geben die Unternehmen ihre Investitionszurückhaltung im Zuge der verbesserten Geschäftslage und günstiger Perspektiven vermehrt auf. Dabei geht es in erster Linie um Ersatzbeschaffungen, aber auch die Notwendigkeit von Produktinnovationen ist bei nahezu jedem dritten Betrieb Grund für Investitionen.

Das freundliche Konjunkturklima dürfte sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. Der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Arbeitskräfte einstellen wollen, ist gegenüber dem Jahresbeginn leicht gestiegen. Überdurchschnittlich gut sind die Beschäftigungsaussichten im Handel; bemerkenswert ist auch der beabsichtigte Stellenausbau in der Industrie.

An dieser Stelle gibt es jedoch ein vernehmliches „Aber“: Fast jedes zweite Unternehmen ist in Sorge, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten zwölf Monaten zum Engpassfaktor entwickelt. Die Deckung des Fachkräftebedarfs ist aus Sicht der Unternehmen an der Ruhr zu einer der größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung geworden. Bei diesem Thema schlägt die Industrie noch stärker Alarm als die anderen Wirtschaftsbereiche. Und: Die ungewisse Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise liegt der Industrie ebenso schwer im Magen.

Wirtschaft braucht Fläche

Damit diese insgesamt positive Entwicklung nicht behindert oder sogar gestoppt wird, wiederholen die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet auch anlässlich des 99. Ruhrlageberichts ihre seit Jahren erhobenen Forderungen nach einem umfassenden Ausbau der Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie nach der Ausweisung zusätzlicher Industrie- und Gewerbeflächen – auch im Freiraum.

In der Vergangenheit sind seitens des Landes NRW häufig vom Bund bereitgestellte Mittel für den Straßenausbau nicht abgerufen worden, weil die fehlenden Planungskapazitäten die Realisierung von Projekten unmöglich machte. Wenn die neue NRW-Landesregierung nun eine klare Priorität bei der Ertüchtigung insbesondere des Autobahnnetzes setzt, muss sie aus Sicht der IHKs zwingend sicher stellen, dass alle Ausbauplanungen personell zügig vorangetrieben werden, damit die Fördermittel des Bundes auch abgerufen werden können. Den Ruhr-IHKs ist dabei bewusst, dass sich der Wirtschaftsverkehr in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf Großbaustellen einstellen muss – verlangt aber ausdrücklich eine Baustellen-Planung, die die Bauzeiten verkürzt und sicher stellt, dass der Verkehr so zügig wie möglich fließen kann.

Wirtschaft braucht Fläche – diese langjährige Forderung der Ruhr-IHKs hat nichts an Berechtigung verloren. Es ist aus Sicht der IHKs nicht realistisch, den Flächenbedarf ansiedlungs- oder erweiterungswilliger Unternehmen allein durch die teure Reaktivierung von Industriebrachen zu befriedigen. In vielen Kommunen des Ruhrgebietes gibt es heute schon keine Reserven für Neuansiedlungen mehr. Der derzeit in der Planung befindliche neue Regionalplan muss den Kommunen die Möglichkeit einräumen, auch geeignete Standorte im Freiraum für die Ausweisung neuer Gewerbeflächen zu nutzen.

Dieselfahrverbote in den Innenstädten sind für die Ruhr-IHKs nur das „allerletzte denkbare“ Mittel. Die Industrie- und Handelskammern appellieren in diesem Sinne an die Kommunen, von dieser rechtlichen Möglichkeit nur als „ultima ratio“ Gebrauch zu machen. Ein Fahrverbot habe für viele kleine und mittelgroße Betriebe existenzielle Auswirkungen – und damit würden diese Verbote schlicht und einfach „die Falschen“ bestrafen. Für die sogenannte „letzte Meile“ der Anlieferung künftig auf Elektrofahrzeuge zu setzen, die Busflotten der Verkehrsbetriebe zu modernisieren und generell die Verkehrsführung in den Städten zu optimieren, sehen die Ruhr-IHKs als sinnvolle Möglichkeiten an, die Stickoxid-Belastung nachweislich zu senken.

Rede IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé zum 99. Ruhrlagebericht

99. Ruhrlagebericht

 

 

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