07.02.2017 - Pressemitteilung 10/2017 der IHK Mittleres Ruhrgebiet

Zufriedenheit und Optimismus

Stellten in Bochum den 98. Ruhrlagebericht vor: Eric Weik, Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet; Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund; Jürgen Fiege, Präsident IHK Mittleres Ruhrgebiet; Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen (v. l.) Foto: Lichtblick

Stellten in Bochum den 98. Ruhrlagebericht vor: Eric Weik, Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet; Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund; Jürgen Fiege, Präsident IHK Mittleres Ruhrgebiet; Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen (v. l.) Foto: Lichtblick

Ein freundliches Konsumklima, Zufriedenheit in allen Wirtschaftsbereichen, ein optimistischer Blick in die Zukunft – und selbst die Wolken, die in den letzten Monaten den Konjunkturhimmel der Industrie trübten, verziehen sich langsam: Zum Jahresanfang 2017 präsentiert sich die Wirtschaft an der Ruhr nicht nur in guter Verfassung, sondern sieht sogar Chancen für einen weiteren Aufschwung. Dies sind die zentralen Ergebnisse des 98. Ruhrlageberichts, den die Ruhr-IHKs am heutigen 7. Februar in Bochum der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Knapp 1000 Unternehmen mit über 126.000 Beschäftigten nahmen an der traditionsreichen Umfrage teil.

Dass die Sonne derzeit scheint, zeigt ein einziger Blick auf den Konjunkturklima-Index, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen zusammensetzt: Er ist seit der Umfrage im Herbst 2016 um fünf auf 122 Punkte gestiegen. Seit Anfang 2011 lag der Wert nie höher.

Neun von zehn Unternehmen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als „gut“ oder „befriedigend“ – ein Spitzenwert. Und trotz dieser sehr positiven Bewertung gehen sogar 27 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich ihre Lage in den nächsten Monaten weiter verbessert. Die Zahl der Pessimisten liegt dagegen bei nur elf Prozent.

Industrie mit neuem Schub

Während der Handel und die Dienstleistungsbranche schon länger Zufriedenheit vermitteln, scheint nun auch die Industrie einen positiven Schub bekommen zu haben: Verzeichneten die Unternehmen zuletzt permanent sinkende Auftragseingänge, so ist dieser Trend inzwischen nicht nur gestoppt – die Industrie vermeldet endlich wieder eine deutlich gestiegene Nachfrage. Die Produktionskapazitäten sind unter dem Strich zu 83 Prozent ausgelastet. Besonders bemerkenswert ist, dass die Aufträge aus dem Ausland angezogen haben, was die Stimmung unter den Exporteuren anhebt.

Gleichzeitig verfällt niemand in Überschwang. Denn: Sowohl die Brexit-Verhandlungen als auch der sich abzeichnende neue wirtschaftspolitische Kurs der US-Regierung bringen Unsicherheiten, die sich derzeit nicht verlässlich abschätzen lassen. Aber die Unternehmen reagieren nicht mit Pessimismus: Drei von vier Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zu den USA unterhalten, rechnen mit keinerlei negativen Auswirkungen in den nächsten Monaten.

Viel stärker sorgt die Unternehmen der sich mehr als nur abzeichnende Fachkräftemangel – fast jeder zweite Firmen-Chef hat bei diesem Thema Sorgenfalten auf der Stirn. 21 Prozent der Unternehmen – sowohl aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche als auch endlich wieder aus der Industrie – gehen davon aus, in diesem Jahr mehr Arbeitskräfte zu brauchen. Doch ob diese Pläne spürbar auf den Arbeitsmarkt in der Region durchschlagen, ist mit einem Fragezeichen zu versehen: Insbesondere dem Handel und der Dienstleistungsbranche setzt der zunehmende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nach eigenem Bekunden zu. Ob der Bedarf gedeckt werden kann, ist deshalb fraglich.

Wie schon bei den letzten Umfragen hält das Dienstleistungsgewerbe die Spitzenposition der Zufriedenheit: Nur sechs Prozent der Unternehmen sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Ein Viertel aller Firmen geht davon aus, dass sich die Lage in diesem Jahr sogar weiter verbessert. Das Dienstleistungsgewerbe konnte – wie auch der Handel – seine Umsätze steigern.

Noch ein Blick über die Grenzen: Es ist festzustellen, dass die Tendenz der Unternehmen, im Ausland zu investieren, abnimmt. Und wenn investiert werden soll, dann zum Ausbau und zur Sicherung des Vertriebs und des Kundendienstes. Investitionen aufgrund von Kostenvorteilen bei der Produktion im Ausland verlieren an Bedeutung.

Geld muss verbaut werden

Die Ruhr-IHKs nutzen die Vorstellung des Ruhrlageberichts traditionell dazu, kritische Punkte anzusprechen – und tun dies auch 2017: Im „Bundesverkehrswegeplan 2030“ finden sich herausragende Infrastrukturprojekte für das Ruhrgebiet. Das zur Verfügung stehende Geld muss vollständig ausgegeben werden. Es darf nicht sein, dass der Autobahnausbau zwar finanziell gesichert ist, fehlende Ausbauplanungen die Umsetzung aber verhindern. Hier gilt es, alles zu tun, damit die überlastete Infrastruktur so zügig wie möglich ausgebaut wird. Die notwendigen personellen Ressourcen dafür müssen geschaffen werden.

An die Adresse des Regionalverbandes Ruhr formulieren die Industrie- und Handelskammern die Erwartung, dass der in Arbeit befindliche Regionalplan Ruhr die Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen fördert. Der künftige Flächenbedarf der Unternehmen ist – wegen der auf der Mehrzahl der Flächen vorhandenen Restriktionen – nicht durch die ausschließliche Nutzung von Industriebrachen zu befriedigen. Die Nutzung des Freiraums zur Schaffung dringend benötigter Ansiedlungsflächen ist unverzichtbar. Diese Flächen müssen planungsrechtlich gesichert werden.

Damit die Innenstädte ihre Anziehungskraft nicht verlieren, setzen die IHKs auf eine Stärkung des Einzelhandels in den Städten und Stadtteilzentren gegenüber der grünen Wiese – und ebenso gegenüber dem Internethandel. Das Internet hat die Probleme des stationären Einzelhandels in den letzten Jahren nochmals verschärft, die aktuelle Rechtsprechung zur Sonntagsöffnung tut dies ebenfalls. Die Ruhr-IHKs wünschen sich ein Ladenöffnungsgesetz, das den klassischen Einzelhändlern die rechtssichere Möglichkeit gibt, den Kunden ein attraktives Einkaufserlebnis zu bieten.

 

 

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