Von herausragender Bedeutung

Erkenntnis Nr. 1: Den Bochumer Hochschulen kommt eine herausragende regional-ökonomische Bedeutung zu. Erkenntnis Nr. 2: Mit steigenden Studentenzahlen wird der Stellenwert des „Wirtschaftsfaktors Hochschule“ weiter wachsen. Oder in harten Zahlen ausgedrückt: Ausgaben in einer Größenordnung von 921 Millionen Euro wurden 2010 durch die Bochumer Hochschulen ausgelöst – ob direkt (durch Personalkosten oder Investitionen) oder indirekt (etwa durch Konsumausgaben von Studenten). Allerdings: Von diesen 921 Millionen Euro „blieben“ nur 386 Millionen in Bochum – der Rest „floss“ in die Region.
 
Dies sind zentrale Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung „Wissen schafft Wirtschaft in Bochum“, die von Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Chef des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Uni Bochum, im Auftrag der IHK Mittleres Ruhrgebiet durchgeführt wurde. Mit dieser Untersuchung wird erstmals im Ruhrgebiet konkret die Frage beleuchtet, welche wirtschaftlichen Effekte von Hochschulen für einen Standort ausgehen. Prof. Dr. Kriegesmann: „Bochum ist der siebtgrößte Hochschulstandort in Deutschland und Nummer drei in Nordrhein-Westfalen. Das sichert der Region Impulse aus der Forschung und eine hohe Verfügbarkeit von Fachkräften. Für die Stadt garantieren die Hochschulen jedoch auch handfeste ökonomische Effekte. Fast zehn Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind auf die Hochschulen zurückzuführen.“

„Dickster Batzen“ auf der Ausgabenseite: die Personal- und Sachkosten der Hochschulen sowie die getätigten Investitionen (etwa in den Bauerhalt). Diese beliefen sich auf 518 Millionen Euro im Jahr 2010 im Gegensatz zu 391 Millionen Euro im Jahr 2006. Dafür ist auch die positive Entwicklung der Mitarbeiterzahlen an den Hochschulen ausschlaggebend. Von 2006 bis 2010 erhöhte sich die Zahl des „Personals“ an den sechs Hochschulen von 5190 auf 6300. Wobei die überragende Bedeutung der Ruhr-Uni für den Hochschulstandort Bochum allein an einer Prozentzahl festzumachen ist: Über 88 Prozent der Gesamtausgaben (Personal-, Sachkosten, Investitionen) entfallen auf die RUB. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Hochschulen der Stadt und der Region wirtschaftlich gut tun“, so RUB-Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. „Sie sind attraktive Arbeitgeber mit einer beeindruckenden Vielfalt an Berufsfeldern. Mit derzeit 145 Ausbildungsplätzen in 21 verschiedenen Ausbildungsberufen ist die RUB ein bedeutender Ausbildungsbetrieb und damit für Schülerinnen und Schüler nicht nur als Studienort attraktiv.“

Wie durch die Beschäftigten der Hochschulen werden natürlich auch durch die Studierenden Konsumeffekte ausgelöst  – diese beziffert die Untersuchung für das Jahr 2010 auf 379 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon schlug in Bochum selbst zu Buche. Diese Zahl könnte sicher noch höher liegen, da nur circa 40 Prozent der Studenten in Bochum wohnen, der höhere Anteil in der Region täglich pendelt. Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz: „ Wir müssen gemeinsam mehr tun, um Studierende, aber auch Hochschulangehörige insgesamt stärker an Bochum zu binden. Die gute Mischung aus einem interessanten Lebensort, unterstützenden Infrastrukturen und den ganz konkreten Jobperspektiven machen dabei den Erfolg aus. Die Steigerung der Attraktivität von Bochum als Ganzem steht dabei im Mittelpunkt unserer künftigen Zusammenarbeit.“

Ein Problemfeld, das die Untersuchung zu Tage gebracht hat: Der im Hinblick auf Beschäftigungseffekte und technologische Leistungsfähigkeit besonders relevante Bereich der Spitzentechnologie macht nur einen verschwindend geringen Anteil aller technologieorientierten und wissensintensiven Gründungen aus – gerade einmal 0,7 Prozent. Das Gründerpotenzial, so die Schlussfolgerung der Untersuchung, ist noch lange nicht ausgeschöpft. Erfolgreiche Neugründungen mit neu geschaffenen Arbeitsplätzen wären aber für die wirtschaftliche Entwicklung Bochums von hoher Bedeutung. „Studierende, der wissenschaftliche Mittelbau und die Professorenschaft müssen überzeugt werden, dass die Selbst-ständigkeit eine echte berufliche Alternative mit Perspektiven darstellt. Mit der Idee eines Gründercampus Ruhr, in der zunächst die Ruhr-Universität und die Hochschule Bochum Unternehmensgründungen initiieren und begleiten, eröffnen sich neue Chancen auch für die Markteinführung von Spitzentechnologien aus Bochum. Eine spätere Erweiterung der Maßnahmen auf andere Hochschulen ist beabsichtigt“, lautet das Fazit von Prof. Dr. Martin Sternberg, Präsident der Hochschule Bochum.

Für die Stadt Bochum und die IHK Mittleres Ruhrgebiet ergeben sich aus der Untersuchung eine Reihe von Ableitungen und Forderungen – speziell in Bezug auf die Weiterentwicklung des Hochschulstandortes, in Bezug auf einen intensivierten Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft, aber auch in Bezug auf eine höhere Wahrnehmbarkeit der Hochschulen in der Stadt und ein konsequenteres Marketing für den Hochschulstandort. „Wir sind eine Hochschulstadt in einer Wissenschafts- und Wissensregion. Dies muss im Stadtbild sichtbar werden. Die Hochschulen müssen stärker in der Innenstadt, dort wo das Herz der Stadt schlägt, erkennbar sein. Und wir müssen dafür sorgen, dass mehr Studenten nicht nur in dieser Stadt studieren, sondern hier auch leben und nach dem Studium hier arbeiten“, so die Sicht von IHK-Hauptgeschäftsführer Helmut Diegel.

Pressekonferenz zur Studie „Wissen schafft Wirtschaft in Bochum“. <br><br>Die Gesprächspartner der Journalisten (v. r.): Prof. Dr. Bernd Kriegesmann (Leiter des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der RUB), Prof. Dr. Elmar Weiler (Rektor der RUB), IHK-Hauptgeschäftsführer Helmut Diegel, Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, Prof. Dr. Martin Sternberg (Präsident der Hochschule Bochum), Prof. Dr. Jürgen Kretschmann (Präsident der TFH Georg Agricola) und Prof. Dr. Gerhard K. Schäfer (Rektor der Evangelischen Fachhochschule RWL)