Wissenschaftsregion stärker profilieren

Drei Botschaften, ein Ziel: Mit einer „Resolution Wissenschaftsregion Ruhr“, die am 14. September 2015 auf dem „3. Wissensgipfel Ruhr“ in Essen verabschiedet und NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze persönlich überreicht wurde, verpflichten sich eine große Zahl von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Ruhrgebietes, der Regionalverband Ruhr (RVR), die Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebietes (Ruhr-IHK), die Wirtschaftsförderung metropoleruhr (wmr) und der Initiativkreis Ruhrgebiet (IR), ihre Kräfte gemeinsam darauf zu konzentrieren, die Wissenschaftsregion Metropole Ruhr in den nächsten Jahren stärker zu profilieren. Dabei sollen Bund, Land und Region zu einem stärkeren gemeinsamen Handeln bewegt werden, um wichtige zusätzliche Potenziale für die Region und für ganz NRW zu erschließen.

Drei Kernziele verfolgen die Partner. Erstens: Die Talentreserven sollen gehoben, die Zahl der Studienabbrecher gesenkt und die Erfolgsquote bei den Absolventen in den nächsten Jahren erhöht werden – wobei es dabei gelingen muss, die akademischen Fachkräfte nach dem Studium auch in der Region zu halten. Zweitens: Die bestehenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen gestärkt, weitere Forschungseinrichtungen insbesondere der großen Forschungsgemeinschaften für die Metropole Ruhr gewonnen werden – nicht nur wegen ihrer hohen regionalökonomischen Effekte, sondern auch wegen ihrer Innovationskraft und ihres positiven Einflusses auf die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Drittens: Die Region braucht mehr Unternehmens-Neugründungen aus anwendungsorientierter Forschung.

Um diese Ziele zu erreichen, schlagen die Unterzeichner der Resolution unter anderem vor, die Betreuungsrelation an den Hochschulen – also das Verhältnis von wissenschaftlichem Personal zu den Studierenden – deutlich zu verbessern. In keiner anderen Metropolregion sind die Studierendenzahlen in den letzten Jahren so stark gewachsen wie in der Metropole Ruhr, die Zahl der wissenschaftlichen Lehrkräfte hinkt dieser Entwicklung allerdings noch weit hinterher. Diese Forderung richtet sich an die Adresse des Landes NRW.

Weit unter den Möglichkeiten bewegt sich die Zahl der Start-ups aus den Hochschulen. Deshalb wollen die Partner Anreize schaffen, um Studierenden, Absolventen, aber auch aktiven Hochschul-Wissenschaftlern die unternehmerische Selbstständigkeit als attraktive und realistische Perspektive zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu vermitteln. „Wir brauchen im Ruhrgebiet mehr wissensbasierte Gründungen. Diese können für die Region ein enormes Potenzial entfalten. Sie sind Keimzelle unseres starken Mittelstandes und geben Impulse für Wettbewerb, Innovation und Strukturwandel. Im Studium muss es daher stärker als bisher gelingen, dieses Gründer-Gen zu pflanzen und daraus kräftige Unternehmen wachsen zu lassen. In den Hochschulen steckt so viel Potenzial für innovatives Unternehmertum – wir müssen es heben“, lautet der eindringliche Appell von Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen. Die Resolution regt in diesem Zusammenhang an, ein Förderprogramm des Landes NRW „Wissenschafts-Start-up Ruhr“ aufzulegen.

In einigen Teilen der Metropole Ruhr gibt es in Bezug auf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen der großen deutschen Forschungseinrichtungen weiße Flecken auf der Landkarte. Gerade derartige Forschungseinrichtungen erhöhen aber das wissenschaftliche Renommee einer Region – und damit deren Attraktivität für Studierende und Wissenschaftler. „Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind wichtige Taktgeber für den Wandel in der Metropole Ruhr. Sie sind jung, innovativ und werben viele Drittmittel ein, die wieder in der Region investiert werden. Weitere Innovationen und der kontinuierliche Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stärken die außeruniversitäre Forschung nachhaltig. Wir setzen uns daher gemeinsam mit den Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung für den Ausbau bestehender und die Ansiedlung weiterer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen ein“, bekräftigt Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des RVR.

Um den akademischen Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft in den nächsten Jahren zu befriedigen, ist es von elementarer Wichtigkeit, die Absolventen nach ihrem Studium in der Metropole Ruhr auch in der Region zu halten – ob als Selbstständige oder als Arbeitnehmer. Wichtig für die Unternehmen, die Hochschulabsolventen anstellen, bleibt in diesem Zusammenhang, dass die Akademiker eine praxisnahe Ausbildung an den Universitäten und Fachhochschulen erhalten. Nicht nur mit dem dualen Studium ist das gewährleistet – mittlerweile stellen immer mehr Hochschulen ihre Lehrformate auf die Bedarfe der Unternehmen ein. „Die gerne kolportierte Vermutung, dass die Absolventen der Ruhrgebietshochschulen die Region in Scharen verlassen, kann kaum gehalten werden“, kommentierte Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Leiter des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum, die Ergebnisse seiner aktuellen Untersuchung zur Wissenschaftsregion Ruhr, die er auf dem Wissensgipfel Ruhr vorstellte. Allerdings: Das Wanderungssaldo in der Region liegt bei zwölf Prozent in Bezug auf jene, die nach dem Studium berufstätig werden. Dennoch geht Kriegesmann derzeit davon aus, „dass angesichts der hohen Zahl der Studierenden die Fachkräfteproblematik im akademischen Bereich in den nächsten Jahren für die Metropole Ruhr beherrschbar sein dürfte“.

Die Resolution Wissenschaftsregion Ruhr, die Studie sowie die Dokumentation zum 3. Wissensgipfel können rechts im Infokasten heruntergeladen werden.