Konjunktur im Herbst 2016

Aufwärts mit Hindernissen

Die konjunkturelle Belebung im mittleren Ruhrgebiet setzt sich im Herbst 2016 fort. In Teilbereichen hat sich das Wachstumstempo im Vergleich zum Jahresbeginn aber etwas verlangsamt. Dies stellt die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet aufgrund ihrer aktuellen Unternehmensbefragung fest, an der sich über 220 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe aus dem mittleren Ruhrgebiet beteiligt haben.

„Es geht weiter aufwärts mit Hindernissen“, kommentiert stellvertretender Hauptgeschäftsführer Christoph Burghaus die Ergebnisse. Getragen wird die Konjunktur von der Binnennachfrage; der Export zeigt dagegen vermehrt Schwächen. Aufgrund der ungünstigeren Bedingungen im Auslandsgeschäft verspüren vor allem die Industrieunternehmen stärkeren Gegenwind. Das verhaltene Wachstum in China, die Nachfrageschwäche in Russland und Brasilien sowie Unsicherheiten auf europäischen Absatzmärkten wie in der Türkei und in Großbritannien hinterlassen Wirkung. Der Handel kann sich dagegen auf eine relativ stabile Verbrauchsnachfrage verlassen, auch wenn die Geschäftsentwicklung in etwas ruhigeren Bahnen verläuft. Das Dienstleistungsgewerbe bewegt sich überwiegend auf der Sonnenseite der Konjunktur.

Insgesamt beurteilen 42 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, 44 Prozent als befriedigend und 14 Prozent als schlecht. Während die positive Bewertung der Geschäftssituation zum Jahresbeginn nicht ganz erreicht wird, werden die Zukunftsaussichten jetzt etwas optimistischer eingeschätzt. 23 Prozent erwarten eine Geschäftsbelebung, 14 Prozent rechnen mit einer eher schlechteren Entwicklung; die meisten Unternehmen (63 Prozent) gehen von einem in etwa gleich bleibenden Verlauf aus. „Vor diesem Hintergrund ist der Konjunkturklimaindex gegenüber dem Jahresbeginn sogar von 118 auf 119 Punkte leicht gestiegen“, betont Burghaus.

Die positive Grundstimmung wird durch die Investitionsabsichten und Beschäftigungsplanungen bestätigt. Insbesondere das Dienstleistungsgewerbe will in den nächsten zwölf Monaten mehr investieren und mehr Personal einstellen.

Zwar vertrauen die Unternehmen darauf, dass sich der moderate Wachstumsprozess fortsetzt, doch läuft der Konjunkturmotor längst nicht rund. Das insgesamt freundliche Gesamtbild überlagert Probleme in Kernbranchen und schwierige Firmenentwicklungen. Hinzu kommen wirtschaftspolitische Unwägbarkeiten und wirtschaftliche Risiken. Nach der IHK-Umfrage macht sich jedes zweite Unternehmen Sorgen über die Inlandsnachfrage und damit über die wesentliche Stütze der Konjunktur. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 41 Prozent als Risikofaktor herausgestellt. Während die Arbeitskosten mit 37 Prozent aller Nennungen wie üblich einen der vorderen Ränge belegen, wird jetzt das Risiko Fachkräftemangel mit 38 Prozent sogar noch etwas höher bewertet. Vor allem im Dienstleistungsgewerbe wird die Fachkräfteproblematik immer brisanter.

Blick in die Wirtschaftsbereiche

Industrie

In der Industrie verzeichnen aktuell 34 Prozent der Unternehmen eine gute und 24 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit ist der positive Saldo im Vergleich zum Jahresbeginn von 19 Punkten auf zehn Punkte geschrumpft. Die gedämpfte Stimmung spiegelt sich in der Tendenz der Auftragseingänge sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland wider. Vor allem das Auslandsgeschäft kommt nicht auf Touren. In einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld wird sich der Beschäftigungsstand tendenziell weiter verringern.

Handel

Die andauernde Konsumfreudigkeit sorgt im Handel für Zufriedenheit. 32 Prozent der Unternehmen registrieren eine gute Geschäftssituation, 17 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Lage als schlecht. Ihre Perspektiven schätzen die Händler vorsichtig optimistisch ein: 24 Prozent erwarten einen besseren Geschäftsverlauf in den nächsten zwölf Monaten, 17 Prozent halten eine Abschwächung für wahrscheinlich.

Dienstleistungen

Das Dienstleistungsgewerbe setzt seinen konjunkturellen Höhenflug fort. Jedes zweite Unternehmen meldet eine ausgesprochen positive Geschäftsentwicklung. Den 52 Prozent mit guter Lagebeurteilung stehen sieben Prozent mit schlechter Bewertung gegenüber. Die Perspektiven sind günstig, die Erwartungen entsprechend hoch. Steigende Umsätze bestärken die Dienstleister in ihrem Optimismus.

Konjunktur zum Jahresbeginn 2016

Nicht mehr alles rosarot

89 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als „gut“ oder „befriedigend“ – beim Blick in die Zukunft sehen jedoch nicht mehr alle „rosarot“: Dies ist das zentrale Ergebnis der Konjunkturumfrage der IHK Mittleres Ruhrgebiet zum Jahresanfang 2016, an der sich 236 Unternehmen aus Bochum, Herne, Witten und Hattingen beteiligt haben. Der Konjunkturklimaindex, der Lage und Stimmung gleichsam bewertet, ist ein weiteres Mal leicht gestiegen – von 117 Punkten im Herbst 2015 auf 118 Punkte zum Jahresbeginn 2016. Unter dem Strich kann man sagen: Die Lage ist besser als die Aussicht.

Insbesondere der Dienstleistungsbereich schwimmt zu Beginn des Jahres obenauf. Mehr als die Hälfte der Dienstleistungsunternehmen spricht von einer guten Geschäftslage. Aber auch bei Handel und Industrie sind die positiven Rückmeldungen deutlich in der Mehrzahl – noch. Denn insbesondere in der Industrie liegt die Zahl der Unternehmen, die eine ungünstigere Geschäftsentwicklung erwarten, inzwischen spürbar höher als die Zahl der Optimisten.

Dafür gibt es auch eine Begründung: den Export. Tendenziell nachlassende Auftragseingänge und die abnehmende Wirtschaftsdynamik in China sowie Wachstumsprobleme in Schwellenländern beeinträchtigen die Auslandsnachfrage; niedrige Ölpreise machen sich auch in zurückgehenden Aufträgen aus Öl-Förderländern bemerkbar. Und nicht nur das: Rapide fallende Ölpreise haben natürlich auch negative Folgen für die Investitionsbereitschaft im Bereich „Erneuerbare Energien“ – und damit auch für Unternehmen, die in diesem Bereich innovative Produkte erstellen.

Da es in den europäischen Industrieländern und den USA allerdings moderate Wachstumsentwicklungen gibt, besteht zumindest die Hoffnung, dass sich der Export als robust erweist. Ob er in diesem Jahr allerdings richtig auf Touren kommt – hinter diese Frage machen zahlreiche Industrie-Unternehmen (insbesondere aus den Bereichen Metall und Maschinenbau) ein Fragezeichen.

Arbeitsmarkt stabil

Derzeit ist nicht erkennbar, dass die Unternehmen in diesem Jahr wieder stärker auf Investitionen setzen. Nur 20 Prozent wollen mehr investieren als zuletzt – damit ist die Investitionsneigung noch etwas geringer als im Herbst 2015. Im Vordergrund der Investitionsplanungen stehen bei fast zwei von drei Unternehmen Ersatzbeschaffungsmaßnahmen.

Und ebenso zeichnet sich nicht ab, dass sich das (noch) gute Konjunkturklima in einer höheren Nachfrage nach Arbeitnehmern niederschlagen wird. Spürbare Impulse für den Arbeitsmarkt erscheinen unwahrscheinlich. Die Industrie geht aktuell von einer Reduzierung der Mitarbeiterzahl aus – eine Folge der geringeren Exporterwartungen.

Entscheidend für die als „gut“ oder „befriedigend“ benotete Geschäftslage ist die hohe Inlandsnachfrage – die Konjunktur ruht in erster Linie auf dem hohen Konsum, der Handel verzeichnet ein deutliches Umsatzplus. Klar, dass deshalb insbesondere dieser Wirtschaftsbereich Sorge hat, dass der private Verbrauch als Wachstumstreiber schwächeln könnte. Gleichzeitig lag aber die Zahl derer, die diese Sorge bereits bei der Konjunkturumfrage im Herbst äußerten, deutlich höher als zum Jahresbeginn 2016.

Sorge um Fachkräfte

Fragt man nach den weiteren Risikofaktoren für eine positive wirtschaftliche Entwicklung, fällt auf, dass insbesondere der Dienstleistungsbereich einen Fachkräftemangel als (möglichen) Risikofaktor ausgemacht hat. Unabhängig davon hat das Dienstleistungsgewerbe seine konjunkturelle Spitzenposition im mittleren Ruhrgebiet deutlich behauptet. 52 Prozent der Unternehmen verzeichnen zurzeit eine gute, nur fünf Prozent eine schlechte Geschäftslage. Insbesondere die unternehmensorientierten Dienstleister stehen auf der Sonnenseite der Konjunktur.

„Diese Umfrageergebnisse lesen sich auf den ersten Blick erfreulich“, kommentiert Eric Weik, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, mit Blick auf einen Konjunkturklimaindex von 118 Punkten. „Wenn allerdings die gute Konjunktur in einer Exportregion wie dem mittleren Ruhrgebiet in erster Linie durch den Konsum gestützt wird, sollte niemand blauäugig nach vorne schauen. Wenn der Konsum zurückgehen und gleichzeitig der Export schwächeln sollte, werden wir das spüren. Wir sind von einer funktionierenden Weltwirtschaft abhängig.“