Steuergelder statt Umlage

Strom wird teurer! Und zwar in erster Linie deshalb, weil die Energienetze in den nächsten Jahren – wegen der Energiewende – ausgebaut werden müssen. Und da die EEG-Umlage ebenfalls steigen dürfte. Diese (wenig frohe) Kunde hatte Jürgen Wille, Geschäftsführer der Stadtwerke Hattingen, bei seinem Vortrag im Wirtschaftsbeirat Hattingen im Gepäck, der am 25. April zum achten Mal tagte. Rund 30 Unternehmensvertreter folgten der Einladung der IHK Mittleres Ruhrgebiet zur Sitzung bei der MedCareProfessional GmbH.

Die Energiepreise sorgen bei vielen Akteuren am Energiemarkt für Kopfzerbrechen. Die Verbraucher klagen über hohe Preise, denn sowohl die deutsche Industrie (hinter Italien) als auch der deutsche Privatverbraucher (hinter Dänemark) zahlt europaweit die zweithöchsten Energiepreise. Für Anbieter, wie beispielsweise die Hattinger Stadtwerke, sei aufgrund der hohen Volatilität der Energiepreise an den Märkten die Kalkulation langfristiger Versorgungsverträge komplex und beinhalte ein hohes Risiko, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Dabei wies Wille ausdrücklich darauf hin, dass der überwiegende Teil der Energiepreise für die Energieversorger nicht zu beeinflussen sei, denn die EEG-Umlage, die Mehrwert- und die Stromsteuer machten bereits über die Hälfte des Energiepreises aus. Wenn dann noch die Nutzungsentgelte berücksichtigt würden, sei der Anteil des Stromvertriebes der einzelnen Versorger am Gesamtpreis überraschend gering.

Bei den Nutzungsentgelten geht Wille davon aus, dass sie von aktuell rund sieben um weitere drei Cent pro Kilowattstunde steigen werden. Wenn auch die EEG-Umlage steigen würde – damit rechnet Wille nach der Bundestagswahl – verschlechtere sich die Situation für alle Stromkunden und damit auch für die deutsche Exportindustrie im internationalen Vergleich weiter.

Sein Vorschlag: Die Förderung der erneuerbaren Energieträger sollte nicht über eine Umlage erfolgen, sondern aus Steuermitteln finanziert werden.

Für die Mitglieder des Wirtschaftsbeirates Hattingen gab es auf der Sitzung auch noch eine Premiere: Der frisch gewählte IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé nutzte die Sitzung, um sich den Unternehmern im Beirat persönlich vorzustellen. Neuhaus-Galladé selbst hatte schon vor Jahren den Vorsitz des Wittener Wirtschaftsbeirates übernommen und ist vehementer Verfechter dieser lokalen Wirtschaftsgremien im Kammerbezirk.