Macher, Hotel und Flughafen

Gab ein Bekenntnis zum Standort Herne ab: Frank Sportolari, President UPS Deutschland. (Foto: Jakob Studnar)
Gab ein Bekenntnis zum Standort Herne ab: Frank Sportolari, President UPS Deutschland. (Foto: Jakob Studnar)

Ein roter Teppich, der für den Bruchteil einer Sekunde eine Anmutung à la Hollywood zauberte und erstaunte Blicke vieler Passanten auf der Bahnhofstraße auslöste; ein seit Jahren leer stehender – und dadurch – städtebaulicher Schandfleck, dessen Erdgeschoss für ein paar Stunden im Disco-Licht erstrahlte; vor der starren Rolltreppe rotes Flatterband, das jedem der mehr als 100 Gäste klar machte: Hier ist eine Baustelle – hier wird an der Zukunft gearbeitet: Das 1. IHK-Wirtschaftsforum Herne am 31. März konnte keinen vielsagenderen Rahmen finden als die künftigen „Neuen Höfen“, als das frühere Hertie-Kaufhaus …

Was die Gäste – darunter auch der neu gewählte IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé – außer einer faszinierenden Örtlichkeit und vielen lockeren Gesprächen erwartete: die Gastredner Frank Sportolari, President UPS Deutschland, Norbert Hermanns, Vorstandsvorsitzender der Landmarken AG, Aachen – und natürlich Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, der sein kurzes Grußwort nicht nur nutzte, um der IHK „ausdrücklich Dank für die Solidarität“ beim Aufbruch Hernes zu zollen, sondern ebenso wortreich wie überzeugend mit einer Mär abrechnete: der Mär, Herne sei „abgehängt“.

Ja, so Dudda, er wolle und er könne weder die Finanzkrise des Stadtsäckels noch die Arbeitsmarktzahlen wegdiskutieren. Aber: In welcher Stadt in Deutschland gäbe es auf 50 Quadratkilometern so viele medizinische Einrichtungen und Angebote? In welcher deutschen Stadt gäbe es (bald) flächendeckendes Internet in 100-MB-Geschwindigkeit? In welcher deutschen Stadt gäbe es eine „lückenlose Bildungskette“ wie in Herne? Und in welcher deutschen Stadt gäbe es eine so „coole, innovative Logistik?“, lauteten vier seiner Argumente. „Eine abgehängte Stadt könnte anders aussehen“, formulierte der OB unter dem Beifall der Gäste.

Die erste Adresse

Um sich ein paar Minuten später ein erstes dickes Kompliment abzuholen: 20 Millionen Euro an einem Standort zu investieren, sei „keine einfache Entscheidung“, formulierte Landmarken-Chef Norbert Hermanns. Warum man aber so entschieden habe? Wegen „der Macher hier“ – und allen war klar, er meinte Dudda. Und Hermanns setzte noch einen drauf, als er formulierte: Und wenn es in Herne noch weitere Projekte geben sollte, die sich lohnten – „dann werden wir in Herne auch wieder investieren“. Das hatte Eric Weik, Hauptgeschäftsführer der IHK, in seiner kurzen Begrüßung indirekt gemeint, als er betonte, „Investoren haben Herne längst entdeckt. Wohl wissend, dass man in und mit Herne etwas bewegen kann“.

Den anwesenden Herner Unternehmern versprach Hermanns, dass sein Unternehmen die „Neuen Höfe“ zur „ersten Adresse der Handelslandschaft dieser Stadt“ machen wolle. Obwohl man ausdrücklich nicht nur auf den Handel – der ist im Basement, im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss vorgesehen – setze, sondern auch an Wohnen, Büros, Fitness und ein Hotel denke. „Um von morgens bis abends Leben in die Innenstadt zu holen.“ Dudda reagierte sofort: Er, so der OB, werde mit Sicherheit als einer der ersten Gäste im neuen Hotel in den „Neuen Höfen“ übernachten … Reaktion: Beifall.

Die richtigen Mitarbeiter

„Bei uns war Herne nie abgehängt“, begann Frank Sportolari seine Rede. Und baute mehrfach in seinen Ausführungen die Brücke zu den Menschen in der Stadt, in der Region. UPS sei seit 1986 am Standort Herne und habe von Anfang an „tolle Mitarbeiter“ gefunden. Und man investiere derzeit eine hohe Summe in den Ausbau des Standortes, „weil wir hier genau die richtigen Mitarbeiter finden“. Er gehe dabei davon aus, dass man nach Abschluss der Ausbauarbeiten Ende 2017 die Zahl der Arbeitsplätze von 1.110 auf 1.400 erhöhen werde. Und auch Sportolari – der mit einer blauen Banane versuchte, seine These, Logistikstandorte seien immer dort richtig, wo es starke Wirtschaftsstandorte gebe, anschaulich zu machen – hatte noch ein Mega-Lob für Hernes Oberbürgermeister im Gepäck: Wenn Dudda, der Macher, nur die geringste Chance dafür sähe, dann würde der in Herne „auch einen Flughafen bauen“ … Die künftigen „Neuen Höfe“ bebten.

Klar ist seit dem 31. März auch: Dem 1. Wirtschaftsforum Herne wird ein zweites folgen …